Wissenslücken durch Corona Direktoren für verlängerte Schulzeit

Elf Jahre statt zehn für den Mittleren Schulabschluss und ein zusätzliches Schuljahr für Abiturienten: Weil die Zeiten ungewöhnlich sind, plädieren die Schulleiter der Gymnasien für eine Verlängerung der Schulzeit.
Derzeit (meistens) außer Betrieb: Klassenzimmer in einem Hamburger Gymnasium

Derzeit (meistens) außer Betrieb: Klassenzimmer in einem Hamburger Gymnasium

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Christian Charisius/ picture alliance/dpa

Eine Ausdehnung des laufenden Schuljahrs um ein paar Wochen - warum nicht? Oder vielleicht sogar eine grundsätzliche Verlängerung der Schulzeit für alle aktuellen Schülerinnen und Schüler? Darüber müsse man jetzt diskutieren, findet die Bundesdirektorenkonferenz der Gymnasien (BDK). "Wäre es denkbar, dass die Schuljahre für einen Übergangszeitraum auch einmal länger dauern als bislang zwölf Monate? Wäre es nicht besser, für den Lernstoff mehr Zeit - vielleicht sogar ein zusätzliches Schuljahr - zur Verfügung zu stellen, statt ihn zu kürzen?", fragt der BDK-Vorsitzende Dieter Brückner in einer Erklärung.

"Was Kinder und Jugendliche durch die lange Dauer der Schulschließungen versäumen, lässt sich nicht so nebenbei nachholen", so Brückner. "Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnlich Lösungen" - zumal schon jetzt klar sei, dass die Kinder und Jugendlichen nach der Corona-Zeit verändert in die Schule zurückkommen würden.

Schulen bräuchten vor allem Zeit, heißt es in der Erklärung, denn sie hätten schon jetzt "unentbehrliche Lehr- und Lernzeit verloren". Auch die bereits diskutierten Modelle von Schichtunterricht und wechselnden Lernphasen zu Hause und in der Schule würden zusätzliche Zeit kosten. Darauf müsse die Bildungspolitik jetzt reagieren.

"Schule und Bildung brauchen eine Struktur", erklärte Dieter Brückner auf SPIEGEL-Anfrage. "Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem wir das weitere Vorgehen grundsätzlich diskutieren müssen - und nicht immer nur als Getriebene der jeweils aktuellen Entwicklung." Er verwies auf die Aussagen von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, nach denen die Auswirkungen der Pandemie sich weit in den Schulbetrieb des nächsten Jahres hineinziehen würden.

Die BDK kritisierte das Vorgehen der Kultusministerkonferenz (KMK) in der Krise scharf. Brückner bezeichnete die Aussagen der KMK als "Plattitüden". Mit ihrem Beschluss vom Dienstag, bis zu den Sommerferien Ende Juni Schülern aller Jahrgänge in irgendeiner Form wieder den Schulbesuch zu ermöglichen, stochere die KMK im Nebel, ohne Lehrkräften, Jugendlichen und Eltern Orientierung zu geben.

him/dpa
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