Coronakrise Fast vier von fünf Jugendlichen mit Lernlücken nach Schulschließungen

79 Prozent der Jugendlichen nehmen wegen der Coronapandemie Lernrückstände wahr – das geht aus einer Umfrage hervor. Die Eltern sehen vor allem die Schulen in der Pflicht, die Lücken zu schließen.
In der Pandemie mussten sich Kinder und Jugendliche den Schulstoff häufig selbst erarbeiten

In der Pandemie mussten sich Kinder und Jugendliche den Schulstoff häufig selbst erarbeiten

Foto: Guido Kirchner / dpa

Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.

Mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen attestieren sich zum Ende der Coronapandemie »große Lernrückstände«, weitere 52 Prozent stellen bei sich selbst »etwas Rückstand« fest. Das geht aus einer repräsentativen Allensbach-Umfrage im Auftrag der Telekom-Stiftung hervor, die an diesem Donnerstag vorgestellt wird und dem SPIEGEL vorab vorlag.

Befragt wurden 1071 Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 10 an allgemeinbildenden Schulen sowie 525 Eltern von Kindern dieser Altersgruppe.

In der Befragung gab nur ein gutes Drittel der Kinder und Jugendlichen an, dass diese Defizite ihnen Sorgen bereiteten. Rund 44 Prozent unternehmen nach eigenen Angaben Anstrengungen, um die Rückstände aufzuholen – vor allem Gymnasiasten arbeiten den Stoff nach: mit Klassenkameraden, allein oder mit der Unterstützung von Geschwistern oder den Eltern.

Eltern sehen die Schulen in der Pflicht

Die Eltern sehen allerdings eindeutig (90 Prozent) die Schule in der Pflicht, die Wissenslücken der Schülerinnen und Schüler zu schließen. Für 36 Prozent liegt die Verantwortung beim Kind, für 33 Prozent zudem bei sich selbst.

Die meisten Schulen kommen dieser Forderung nach und bieten Unterstützung an, um versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen. So berichten 55 Prozent der Schülerinnen und Schüler davon, dass ihre Schule zusätzliche Übungsaufgaben bereitstelle, mit denen sie selbstständig zu Hause nachlernen können. Weitere 41 Prozent erhalten digitale Lernangebote.

Ein knappes Viertel kann außerdem in den Ferien zusätzliche Lernangebote wahrnehmen. 14 Prozent berichten, ihre Schule bietet zusätzlichen Unterricht an Samstagen oder nachmittags an. Lediglich ein knappes Fünftel der Kinder und Jugendlichen weiß von keinen zusätzlichen Angeboten an der Schule.

Mehrheit zieht trotzdem positive Bilanz

Trotz der selbst attestierten Lerndefizite zieht die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen eine überraschend positive Bilanz der Zeit der Schulschließungen. 58 Prozent sagten, sie seien mit dem Lernen zu Hause »gut« oder sogar »sehr gut« zurechtgekommen – allerdings gibt es hier große Unterschiede zwischen den Schulformen.

Während unter den Gymnasiastinnen und Gymnasiasten fast drei Viertel der Befragten eine positive Bilanz zogen, antwortete fast die Hälfte der Haupt- und Realschüler, sie sei mit dem Distanzlernen »weniger gut« oder »gar nicht gut« klargekommen. »Dies bestätigt die Vermutung, dass Corona das Ungleichgewicht zwischen den besseren und schlechteren Lernern zu Ungunsten der Schwächeren verstärkt hat«, sagt Thomas de Maizière, Vorsitzender der Telekom-Stiftung.

Die Lernrückstände am Ende der Pandemie stellten nach Ansicht der Meinungsforscherinnen und -forscher aber nur eine Seite der Medaille dar. Die Ergebnisse legten nahe, dass Kinder und Jugendliche sich in anderer Hinsicht weiterentwickelt hätten. So sagten rund zwei Drittel der Befragten, dass sie im Umgang mit dem Computer oder digitalen Anwendungen Fortschritte gemacht hätten. Mehr als die Hälfte gab an, sich nun besser organisieren und Informationen selbst erarbeiten zu können.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.