Diskussion über Coronafolgen FDP fordert Krisengipfel zu Kindern und Jugendlichen

Ein nationaler Hilfeplan, dazu mehr Personal an Schulen und Kitas und eine bessere Ausstattung der Jugendhilfe: Die FDP verlangt mehr Aktivitäten der Bundesregierung für Kinder und Jugendliche in der Pandemie.
Gesperrter Spielplatz in Hannover (2020): »Kinder sind, wenn wir nicht höllisch aufpassen, die Verlierer dieser Pandemie«

Gesperrter Spielplatz in Hannover (2020): »Kinder sind, wenn wir nicht höllisch aufpassen, die Verlierer dieser Pandemie«

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Eine Förderoffensive für Kinder und Jugendliche in der Pandemie fordert die FDP in zwei Anträgen, die am Donnerstag im Bundestag beraten werden sollen. Die Bundesregierung wird darin aufgefordert, einen nationalen Hilfeplan für die physische und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu entwickeln. Ein zusätzliches »Chancen-Aufholprogramm« soll außerdem dafür sorgen, dass Lernrückstände aus der Coronakrise ausgeglichen werden.

»Kinder sind, wenn wir nicht höllisch aufpassen, die Verlierer dieser Pandemie«, sagt der FDP-Bundestagsabgeordnete Peter Heidt, Mitglied im Ausschuss für Bildung und Forschung. Der vorgeschlagene Hilfeplan soll die Situation der Kinder und Jugendlichen deshalb mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen verbessern. Entwickelt werden soll der Plan auf einem interdisziplinären Krisengipfel, fordern die Liberalen.

Die psychische Situation junger Menschen müsse jetzt in den Fokus der Politik rücken, erklärte Katja Suding, stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, gegenüber dem SPIEGEL: »Seit Monaten sind Kinder aus ihren gewohnten Strukturen gerissen, verlieren den Kontakt zu Freunden und Lehrern. Wir müssen den Jugendlichen psychologische Hilfe und Kindern mit pandemiefesten Freizeitangeboten einen Lichtblick im tristen Lockdown-Alltag bieten.«

Zusätzliches Personal

Suding verwies auf Studien, nach denen rund 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen sagen, dass sie sich einsam fühlten. Der angedachte Krisengipfel müsse unter anderem zu einer finanziellen Stärkung der außerschulischen Kinder- und Jugendsozialarbeit führen.

Wichtig sei auch, »dass zusätzliches psychologisches und pädagogisches Personal im Schulbetrieb digital und in Kinderbetreuungseinrichtungen physisch zur Verfügung steht, um negative Folgen der Coronakrise zu erkennen und professionell aufzuarbeiten«, heißt es in dem entsprechenden Antrag, der dem SPIEGEL vorab vorlag. Diese zusätzlichen Fachleute müssten nicht nur während der Pandemie, »sondern auch noch lange danach eingesetzt werden«.

Die Lern- und Wissenslücken aus dem Schulbetrieb im Coronamodus will die FDP mit einem weiteren Programm bekämpfen. Es sieht neben Lernstandserhebungen ebenfalls zusätzliche sozialpädagogische und schulpsychologische Stellen vor.

Auch fehlten in Deutschland »nach Monaten der Pandemie immer noch sinnvolle Corona-Unterrichtskonzepte«, sagte Peter Heidt. Die digitalen Defizite an den Schulen seien weiterhin ungelöst: Von den über fünf Milliarden Euro des Digitalpakts hätten die Länder erst zwei Prozent tatsächlich ausgegeben.

him
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