Vor dem Wintersemester Hochschulrektoren fordern Impfkampagne für Studierende

Ohne Impfung kein Präsenzsemester: Rektoren mehrerer Hochschulen verlangen spezielle Impfaktionen für Studierende – denn die wurden von der Politik bisher weitgehend ignoriert.
Desinfektionsutensilien vor einer Veranstaltung im Hörsaal der Uni Hohenheim (im Herbst 2020)

Desinfektionsutensilien vor einer Veranstaltung im Hörsaal der Uni Hohenheim (im Herbst 2020)

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Der Rektor der Universität Heidelberg, Bernhard Eitel, hat sich verärgert darüber gezeigt, dass Studierende bei den Impfaktionen bisher zu wenig berücksichtigt werden. »Während Schüler auf dem Radar sind, werden Studierende und die Hochschulen weitgehend ignoriert«, sagte Eitel im Interview mit der »Rhein-Neckar-Zeitung« : »Ich halte das für nicht ausreichend verantwortungsvoll.«

Er habe den Eindruck, »dass man auf die Eigeninitiative der jungen Leute setzt, sich irgendwie Zugang zu einer Impfung zu verschaffen«, und sich damit der Verantwortung entledige, sagte Eitel. Es sei mittlerweile unbestritten, dass Bund und Länder die Situation der Studierenden zu wenig im Blick gehabt hätten.

Der Heidelberger Uni-Chef schlug vor, weniger ausgelastete Impfzentren zu Impfstraßen speziell für Studierende umzuwidmen. Auch müssten die aktuellen Regeln für die Hochschulen überdacht werden, forderte Eitel. Limitierender Faktor für die Lehre in Präsenzseminaren sei das Distanzgebot: »Wenn zum Wintersemester die Abstandsregel von eineinhalb Metern trotz 3G – also geimpft, getestet oder genesen – nicht fällt wie in Restaurants, im Nah- und Flugverkehr oder in den Schulen, dann ist keine Rückkehr zur Präsenz möglich.«

Präsenz nur bei Impfung für alle

Zuvor hatten bereits die Landesrektorenkonferenzen von Fachhochschulen und Universitäten in Nordrhein-Westfalen auf eine sofortige Impfkampagne für Studierende gedrängt. Das sei »Voraussetzung« dafür, dass im Wintersemester überhaupt Präsenzlehre stattfinden könne, schreiben Lambert T. Koch, Rektor der Universität Wuppertal, und Marcus Baumann, Rektor der FH Aachen, in einer gemeinsamen Erklärung .

Die Ansage hat Gewicht: In Nordrhein-Westfalen studiert mit rund 750.000 Studierenden rund ein Viertel aller Nachwuchsakademiker in Deutschland. Die Rektoren fordern jetzt, »dass alle Mitarbeitenden und Studierenden bis Anfang, spätestens Mitte August flächendeckend ein verbindliches Impfangebot erhalten haben müssen«.

Der Termin sei nicht willkürlich gewählt, betont Baumann: Wenn das Semester Anfang Oktober 2021 starte und dann der volle Impfschutz vorhanden sein müsste, dann müsse die Erstimpfung spätestens in der ersten Augusthälfte erfolgen. Das Land müsse jetzt entscheiden, wie viele Studierende pro Tag geimpft werden könnten: »Begänne man beispielsweise Anfang Juli, müssten unter der Annahme, dass bis zu 60 Prozent dieser Gruppe noch nicht geimpft sind, bis August in den verbleibenden vier bis fünf Wochen an jedem Werktag mehr als 15.000 Studierende geimpft werden«, rechnen die Rektoren vor.

Zwei Jahrgänge bereits verloren?

Sollte das nicht gelingen, bliebe es bei den Abstandsregeln – und die würden dazu führen, dass gerade einmal ein Fünftel der Studierenden in die Hörsäle zurückkehren könne. Die Impfung sei aber auch deshalb dringend nötig, weil aktuell schon über die Hälfte der Neuinfizierten junge Menschen seien.

In der Erklärung wird jedoch auch deutlich, dass die Rektoren wenig Zutrauen in die Fähigkeiten der Politik haben. Die Hochschulen erwarteten jetzt »eine klare Rückendeckung dafür«, dass sie zum Schutz ihrer Mitarbeitenden und Studierenden auch im Wintersemester wieder weitgehend online unterrichten müssten.

Auch der Heidelberger Rektor Bernhard Eitel sagt, die Hochschulen bräuchten jetzt schnell Klarheit von den jeweiligen Landesministerien: »Sonst wird viel mehr zerstört als einige Prüfungen. Zwei Jahrgänge Studierende drohen uns verloren zu gehen.«

him
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