Bayern Frühere Weihnachtsferien zur Selbstisolation

Bayern will die Kinder zwei Tage früher in die Weihnachtsferien schicken und so das Infektionsrisiko für die Festtage senken. Das Modell ist auch vor der Bund-Länder-Schalte am Mittwoch im Gespräch.
Idee für Schalte mit Merkel: Kinder bekommen zwei Ferientage mehr, damit die Ansteckungsgefahr sinkt (Symbolbild)

Idee für Schalte mit Merkel: Kinder bekommen zwei Ferientage mehr, damit die Ansteckungsgefahr sinkt (Symbolbild)

Foto: Sven Hoppe/ picture alliance/dpa

Bayern geht wegen der Corona-Pandemie früher in die Weihnachtsferien als geplant. Letzter Schultag vor Weihnachten ist Freitag, der 18. Dezember, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dem Bayerischen Rundfunk sagte. Damit fallen im Freistaat zwei Schultage weg. Ursprünglich wäre der 23. Dezember der erste Ferientag gewesen.

Der Abstand zwischen Unterricht und Weihnachten werde so vergrößert, sagte Söder. »Damit verbessern wir die Möglichkeiten, dass die Familien in Bayern das wichtigste Fest des Jahres gesund und unbeschwerter feiern können.« Das Infektionsrisiko werde durch die fast einwöchige Karenzzeit zwischen Schulunterricht und Weihnachten »erheblich gesenkt«. Zuvor hatte bereits Nordrhein-Westfalen mit der gleichen Begründung entschieden, zwei Unterrichtstage vor Weihnachten zu streichen und die Ferien früher beginnen zu lassen.

Die beiden Bundesländer schaffen damit schon mal Fakten – und erhöhen den Druck für eine flächendeckende Lösung. Vorgezogene Weihnachtsferien sind vor den Bund-Länder-Beratungen am kommenden Mittwoch auch als bundesweites Vorgehen im Gespräch. In den meisten Bundesländern ist der 18. Dezember ohnehin planmäßig der letzte Schultag vor Weihnachten.

Längere Ferien zwecks Selbstisolation

Laut einer gemeinsamen Beschlussvorlage der Ministerpräsidenten für das Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel wird vor Weihnachtsbesuchen eine mehrtägige Selbstisolation empfohlen. »Dies kann durch gegebenenfalls vorzuziehende Weihnachtsschulferien ab dem 19.12.2020 unterstützt werden«, heißt es in dem Papier. Damit solle die Gefahr von Corona-Infektionen im Umfeld der Feierlichkeiten so gering wie möglich gehalten werden.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will sich bei der anstehenden Bund-Länder-Schalte für dieses Vorgehen stark machen, wie ein Regierungssprecher in Stuttgart sagte. Wenn die Schüler bereits am 18. Dezember in die Ferien entlassen würden, habe man bis Heiligabend eine Strecke von fünf bis sechs Tagen, die man nutzen könne, um Kontakte zu minimieren. »Dann wird man an den Feiertagen mit einem entspannteren Gefühl zu den Großeltern fahren und im Kreise der Familie das Weihnachtsfest begehen können.«

Kritik kommt allerdings von Lehrerseite. Der Deutsche Philologenverband warnt davor, die Weihnachtsferien kurzfristig zu verlängern. Dies hätte nur ein »Planungschaos« zur Folge, sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Lehrerinnen und Lehrer wollten ihren Unterricht vernünftig planen.

»Unter kurzfristigen Ferienverlängerungen hätten im Zweifel insbesondere diejenigen zu leiden, die bald Abitur machen oder bei denen andere Prüfungen anstehen.« Statt eines hektischen Herumdokterns an den Ferienzeiten brauche es vielmehr Reihentestungen zum Schulbeginn im neuen Jahr – also freiwillige Corona-Tests für alle Schüler und Lehrkräfte, sagte Lin-Klitzing.

Ein weiterer Kritikpunkt an vorgezogenen Weihnachtsferien war zuletzt die fehlende Betreuung, insbesondere für jüngere Schülerinnen und Schüler. Eltern mahnen, dass ihre Urlaubstage wegen coronabedingter Schulschließungen in diesem Jahr ohnehin weitgehend aufgebraucht sind. Nordrhein-Westfalen kündigte deshalb an, es werde eine Notbetreuung für Kinder von der 1. bis zur 6. Klasse am 21. und 22. Dezember geben. Die rund 200.000 Lehrkräfte in NRW hätten an den beiden Tagen Dienst, teilte die Landesregierung mit. Eltern müssen demnach einen Antrag auf Notbetreuung stellen.

Vorgezogene Weihnachtsferien sind in der Runde der 16 Kultusminister bisher offenbar nicht geplant. Wie aus Kreisen der Kultusministerkonferenz (KMK) am Montag verlautete, gibt es vielmehr Vorschläge für besondere Maßnahmen an Schulen in sogenannten Hotspots, etwa den Wechsel zum Hybridunterricht in Kleingruppen ab der 11. Klasse.

Maskenpflicht ab Klasse 7

Ob und wie die Corona-Regeln an den Schulen in den kommenden Wochen verschärft werden sollen, dürfte in der Bund-Länder-Schalte am Mittwoch ein zentraler Punkt sein. Die Länderchefs sind sich laut ihrem gemeinsamen Papier bisher grundsätzlich einig in dem Ziel, Schulen und auch Kindertagesstätten offenzuhalten – aber zu bestimmten Bedingungen:

  • An Schulen in Regionen mit deutlich mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen soll nach dem Willen der Länder künftig ab Klasse sieben grundsätzlich eine Maskenpflicht auch im Unterricht gelten.

  • In »besonderen Infektionshotspots« soll es demnach in älteren Jahrgängen außer Abschlussklassen schulspezifisch »weitergehende Maßnahmen für die Unterrichtsgestaltung« geben, beispielsweise Hybridunterricht.

Am Dienstagmittag wollte sich Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) mit den Staatskanzleichefs der Länder beraten. Vor den Beratungen mit Merkel am Mittwoch könnten noch einige Vorschläge geändert werden. Man sei aber auf einem guten Weg, hieß es.

fok/dpa/Reuters
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