Anfrage zu Corona Wie viele Schul- und Kitakinder sind in Quarantäne?

Schulen und Kitas sollen weitgehend schließen – dabei liegen kaum Daten zum Infektionsgeschehen dort vor. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung hervor. Kommentar der FDP: »Das verstehe, wer will.«
»Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor«: Kitafenster in Kassel (Archivbild)

»Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor«: Kitafenster in Kassel (Archivbild)

Foto: Uwe Zucchi/ dpa

Quarantäneanweisungen für Minderjährige in Kitas und Schulen werden oft als verwirrend erlebt: Mal müssen Sitznachbarn von Infizierten ebenfalls zu Hause bleiben, mal nicht; mal werden Geschwisterkinder getestet, mal verzichten die Gesundheitsämter darauf.

Das Vorgehen werde von betroffenen Familien »als intransparent, verwirrend und teils nicht nachvollziehbar wahrgenommen«, schreibt die FDP-Bundestagsfraktion in einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung und will wissen, welche abgestimmte Strategie zwischen Bund und Ländern dahintersteht.

Die Antwort: jedenfalls keine umfassende. Das geht aus der Stellungnahme der Bundesregierung hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. Demnach stehe die Regierung zwar »in einem fortwährenden Austausch mit allen Akteuren, die an der Bewältigung der Corona-Pandemie mitwirken«. Sie habe aber keine Zahlen darüber, wie viele Familien von einem oder mehreren Kindern in Quarantäne betroffen seien.

»Daten, aber keine Strategie«

Konkrete Zahlen gibt es der Antwort zufolge nur für den Kitabereich: Hier waren Mitte November in nicht einmal jeder 20. Einrichtung (4,35 Prozent) eine oder mehrere Gruppen geschlossen. Ob diese Schließungen aber wegen einer Anordnung des Gesundheitsamts oder aus anderen Gründen erfolgt seien, werde nicht erfragt. Eine entsprechende Aussage sei daher nicht möglich, auch gebe es keine Erkenntnisse über die konkrete Zahl von Kitakindern in häuslicher Quarantäne.

Lediglich die Zahl der Komplettschließungen von Kitas wegen Corona-Infektionen sei bekannt, sie lag bei 1,98 Prozent. Infektionsmedizinisch belastbare Daten zur Quarantäne ganzer Schulen oder einzelner Klassen gebe es jedoch nicht.

»Die vorliegenden Daten sind lückenhaft, ein für Kita- und Schulkinder einheitliches Vorgehen gibt es nicht«, sagt Katrin Helling-Plahr, die für die FDP im Gesundheitsausschuss des Bundestags sitzt: »Zu Kitas gibt es Daten, aber keine Strategie. Zu Schulen gibt es keine Daten, dafür aber eine Strategie. Das verstehe, wer will.« Statt eines einheitlichen Vorgehens für Minderjährige gebe es »ein Flickwerk an Studien und Meldesystematiken«, so Helling-Plahr.

Die FDP-Politikerin bemängelt auch die fehlende Planungssicherheit für Eltern. Es sei ein Armutszeugnis, dass die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage keine klare Stellung zu einem Entschädigungsanspruch bei Kitaschließungen beziehe – etwa dann, wenn Eltern wegen geschlossener Kita ihrer Arbeit nicht nachgehen können.

In der Antwort auf die Kleine Anfrage hatte es dazu lediglich geheißen: »Ob sich eine Erwerbstätigkeit im Homeoffice mit der Betreuung von Kindern vereinbaren lässt, hängt zum einen vom Arbeitgeber und zum anderen von den individuellen Bedingungen der Familien und denen der jeweiligen Häuslichkeiten ab.« Eine generelle Aussage hierzu sei »angesichts höchst unterschiedlicher Alters- und Entwicklungsstufen der zu betreuenden Kinder weder wünschenswert noch leistbar«.

him
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