Repräsentativer Gurgeltest Studie deckt Corona-Dunkelziffer an Schulen in Österreich auf

An Schulen gibt es laut einer österreichischen Studie zwar verhältnismäßig wenige Corona-Fälle, aber ein Problem: Alle Infizierten zeigten zum Testzeitpunkt keinerlei Symptome.
Präsentation des Gurgeltests bei einer Pressekonferenz im Sommer: "Zum ersten Mal Daten über die Dunkelziffer von Infektionen an Schulen"

Präsentation des Gurgeltests bei einer Pressekonferenz im Sommer: "Zum ersten Mal Daten über die Dunkelziffer von Infektionen an Schulen"

Foto: Roland Schlager / dpa

Inmitten der auch in Deutschland geführten Diskussion über eine erneute Schließung von Schulen in der Coronakrise sind in Österreich am Freitag erste Ergebnisse einer groß angelegten Studie an Bildungseinrichtungen  vorgelegt worden. Demnach gibt es an Schulen verhältnismäßig wenig Infektionen; Schüler und Lehrer sind in etwa gleichermaßen betroffen.

Mit Gurgeltests soll an 243 Schulen in ganz Österreich kontinuierlich festgestellt werden, wie häufig Corona-Infektionen bei Schülern und Lehrern sind. So erhofft man sich auch neue Erkenntnisse zur Dunkelziffer. Im Laufe des Schuljahres sollen zufällig ausgewählte Schüler und Lehrer alle drei bis fünf Wochen mittels Gurgeltest untersucht werden.

Im Zeitraum 28. September bis 22. Oktober waren 40 von etwa 10.000 Teilnehmern positiv, wie das Bildungsministerium und die vier beteiligten Universitäten am Freitag mitteilten. Alle Infizierten zeigten zum Testzeitpunkt keinerlei Symptome und wären demzufolge normalerweise nicht getestet worden. "Wir haben damit zum ersten Mal Daten über die Dunkelziffer von Infektionen an Schulen", sagte der wissenschaftliche Koordinator der Studie, der Mikrobiologe Michael Wagner von der Universität Wien, der Nachrichtenagentur APA.

Sozial Benachteiligte stärker betroffen

De facto keine Unterschiede gebe es zwischen Schülern mit einer Prävalenz von 0,37 Prozent und Lehrern (0,57 Prozent), erklärten die Forscher. Die aufgetretene Differenz sei zu niedrig, um signifikant zu sein. Die Prävalenz beschreibt den Anteil der erkrankten Personen an der Gesamtbevölkerung.

Deutliche Unterschiede allerdings gab es in Bezug auf die soziale Struktur an den Schulen. An Bildungseinrichtungen mit vielen Kindern aus sozial benachteiligten Familien war das Infektionsrisiko den Forschern zufolge um das 3,6-Fache höher als an Schulen mit weniger sozial schwachen Kindern.

Österreich erlebt derzeit ebenso wie fast alle europäischen Länder einen rasanten Anstieg der Corona-Zahlen. Angesichts der Entwicklung wird unter anderem darüber diskutiert, ob die Schulen geschlossen werden müssen.

sun/AFP