Debatte über Infektionsschutzgesetz Kinder- und Jugendärzte gegen Maskenpflicht in Schulen

Der Verband der Kinder- und Jugendärzte lehnt Masken an Schulen klar ab. Lehrerverbände sind hingegen dafür, das Bildungsministerium wiegelt ab.
Schüler in Nordrhein-Westfalen (November 2021)

Schüler in Nordrhein-Westfalen (November 2021)

Foto: Guido Kirchner / dpa

Vor dem dritten Coronaherbst wiederholt sich der Streit über Masken an Schulen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat sich in der Debatte über das neue Infektionsschutzgesetz gegen eine Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler im Herbst und Winter ausgesprochen. »Der BVKJ ist grundsätzlich gegen eine Maskenpflicht in Schulen«, sagte Verbandsbundessprecher Jakob Maske den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Studien würden zeigen, dass Masken die Infektionen eher zeitlich aufschöben.

Im Entwurf des neuen Infektionsschutzgesetzes wird den Ländern die Möglichkeit gegeben, eine Maskenpflicht in Schulen für Beschäftigte sowie Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse einzuführen, wenn dies zur Aufrechterhaltung eines geregelten Präsenzbetriebs erforderlich ist. Der Expertenrat der Bundesregierung sieht Masken in Innenräumen als wirksam an.

Maske bei Grundschülern als »ultima ratio im Instrumentenkasten«

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU), die zurzeit der KMK vorsitzt, begrüßte die Option hingegen. Dass die Rückkehr zur Maskenpflicht in Klasse 1 bis 4 laut Gesetzentwurf nicht möglich ist, sah sie kritisch. Es sei richtig, die Latte bei Grundschulkindern hochzulegen, sagte sie am Mittwoch. Aber »als ultima ratio im Instrumentenkasten« sollte die Maßnahme nicht ausgeschlossen werden.

Zudem kritisierte sie die geplante Ausnahme von der Maskenpflicht, wenn die letzte Impfung nicht länger als drei Monate zurückliegt. Das sei bei Kindern und Jugendlichen nicht umzusetzen, da das nicht den Empfehlungen der Stiko entspreche.

Auch der Deutsche Lehrerverband hatte es vergangene Woche als unverständlich bezeichnet, dass an Grundschulen »selbst im Falle drohender Personalausfälle und Schulteilschließungen keine Maskenpflicht angeordnet werden darf«, sagte der Präsident des Verbands, Heinz-Peter Meidinger. Das Risiko von Schulschließungen werde damit faktisch in Kauf genommen.

Das Bundesbildungsministerium hatte im Hinblick auf den Gesetzentwurf wiederum argumentiert: Das dauerhafte Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes könne gerade für Kinder im Grundschulalter »belastend sein«. Die richtige Balance bleibt also auch im dritten Pandemiejahr ein Kraftakt.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen, in dem am Mittwoch das neue Schuljahr beginnt, befürchtet die Schulleitungsvereinigung beträchtliche Unterrichtsausfälle, wenn sich Lehrerinnen und Lehrer auch in diesem Herbst und Winter reihenweise mit Corona anstecken. Masken würden nur 70 bis 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler freiwillig tragen, schätzte die Landesvorsitzende Antonietta Zeoli. Die Verunsicherung, in welchem Ausmaß die Pandemie weiter auf dem System Schule lasten werde, bleibe wohl noch lange bestehen.

Mehrere Organisationen, darunter der Verband für Bildung und Erziehung (VBE), warnten vor einem »Flickenteppich«, sollten die Länder auch in diesem Jahr unterschiedliche Vorstellungen bei der Umsetzung von Coronaschutzmaßnahmen haben. Es müsse einheitliche und klare Kriterien geben, dafür sollten sich die Länder abstimmen, lautete der dringende Appell.

Prien forderte als amtierende Vorsitzende der Kultusministerkonferenz einen nationalen Schulgipfel, um diese Abstimmung zu ermöglichen.

sun/AFP/dpa
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