Umfrage Jugendliche fühlen sich in der Krise nicht gehört

Wie erleben Jugendliche die Coronakrise, was belastet sie jetzt besonders? Eine Umfrage zeigt: Die meisten haben nicht das Gefühl, dass die enormen Einschnitte in ihrem Leben ernst genommen werden.
Jugendliche im Kölner Gegenlicht: Für sie fühlt es sich so an, als würden Erwachsene allein über ihren Alltag entscheiden

Jugendliche im Kölner Gegenlicht: Für sie fühlt es sich so an, als würden Erwachsene allein über ihren Alltag entscheiden

Foto: Marcel Kusch/ dpa

Keine gesellschaftliche Gruppe war von den Einschränkungen in der Coronakrise so betroffen wie Kinder und Jugendliche: In dieser Diagnose sind sich die Familienpolitikerinnen und -politiker im Deutschen Bundestag weitgehend einig. Über eine Stunde debattierten sie am Donnerstag im Bundestagsplenum über Kinderrechte während der Pandemie.

Die Grünen und Die Linke hatten jeweils einen Antrag gestellt, die Kinderrechte in der Coronakrise zu schützen  beziehungsweise Kinder und Jugendliche zu beteiligen . Ergebnisse allerdings gibt es nicht: Die Forderungen werden zur Beratung in die Familienausschüsse überwiesen.

Dass es dringend nötig ist, die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mehr in den Blick zu nehmen, zeigt eine Umfrage der Universitäten Frankfurt und Hildesheim , die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Die Forscherinnen und Forscher haben bundesweit etwa 5000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren befragt, wie sie die Corona-Einschränkungen erleben.

Paradoxer Zustand

Fast die Hälfte der Befragten gibt an, dass ihre Sorgen nicht oder eher nicht gehört werden. Die Studie ist allerdings nicht repräsentativ, sie gibt lediglich einen Einblick in die gegenwärtige Situation der Jugendlichen. Die jungen Menschen haben demnach den Eindruck, dass Erwachsene allein entscheiden, wie sie in der Coronakrise ihren Alltag zu gestalten haben. "Die Jugendlichen sehen nicht, dass sie mit ihren Anliegen Gehör finden", sagt Johanna Wilmes vom Forschungsteam, "die Beteiligungsformate von jungen Menschen scheinen nicht krisenfest."

Eines der Hauptprobleme der Jugendlichen sei, dass sie sich nur noch als Schülerinnen und Schüler wahrgenommen fühlen. Der Zustand sei paradox: Zwar seien die Schulen seit Wochen geschlossen und der vertraute Alltag verschwunden, trotzdem aber würden ihre Probleme aufs Homeschooling reduziert.

Die Jugendlichen hätten die Befragung genutzt, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen, urteilten die Forscher. Denn ihr gesamter gewohnter Alltag sei weggebrochen. Ein Schwimmer kritisierte etwa, dass alle nur vom bezahlten Sport redeten: "Wer schreibt darüber, dass alle Titelkämpfe im Schwimmen ausfallen oder verschoben wurden? Dass wir nicht trainieren können ohne Wasser?"

Dass junge Menschen viel Zeit in Sportvereinen, Jugendverbänden oder Jugendzentren verbringen, die sich nicht digital umorganisieren ließen, würde nicht ausreichend berücksichtigt, schrieben die Forscher.

sun
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