Armin Himmelrath

Coronaferien Macht die Schulen zu!

Armin Himmelrath
Ein Kommentar von Armin Himmelrath
Ein Kommentar von Armin Himmelrath
Seit Januar ist das Coronavirus Thema - und die deutschen Schulen sind Mitte März noch immer geöffnet. Dabei könnten Coronaferien zur digitalen Fortbildung für Schüler und Lehrer werden.
Leere Klassenzimmer sind jetzt ein Gebot der Stunde

Leere Klassenzimmer sind jetzt ein Gebot der Stunde

Foto: Jürgen Ritter/ imago images

Natürlich: Wer wegen des Coronavirus flächendeckend Schulen schließt, geht ein Risiko ein. Das Risiko nämlich, dass dieser Eingriff ins Bildungssystem als übertriebener Aktionismus gewertet wird, als zu große Belastung der Eltern und Familien, als fachlich falscher Ansatz, weil Kinder bei der Verbreitung des Virus eine viel geringere Rolle zu spielen scheinen als Erwachsene. Deshalb sprechen sich manche Fachleute - zumindest bisher - noch immer gegen die sogenannten Coronaferien aus.

Doch dieser Argumentation liegen zwei Denkfehler zugrunde. Der eine: Es geht bei flächendeckenden Coronaferien nicht um den Stopp der Epidemie und auch nicht in erster Linie um den individuellen Schutz, sondern um eine deutliche Verlangsamung der Infektionen. Damit könnte man die von den Experten erwartete Ansteckung eines Großteils der Bevölkerung über einen längeren, besser beherrschbaren Zeitraum strecken. Dazu könnten Schulschließungen erheblich beitragen, und noch besser würde das funktionieren, wenn sich auch Kitas und Hochschulen zügig anschlössen.

Besser alle zugleich

Der zweite Denkfehler betrifft die Folgen: Natürlich müssten in den Coronaferien zahlreiche Eltern zu Hause bleiben, würden bisherige familiäre Betreuungsstrukturen dafür nicht mehr ausreichen. Aber genau dieses Risiko müssten verantwortungsbewusste Bildungs- und Gesundheitspolitiker eingehen: Denn wenn die große, massive Ansteckungswelle erst einmal da ist, dann haben wir hierzulande noch ganz andere Probleme als ein für ein paar Wochen stillgelegtes Bildungssystem.

Hinzu kommt, dass viele Familien ihre Kinder in mehreren Bildungseinrichtungen untergebracht haben. Zwei oder drei Wochen Komplettstillstand sind da deutlich leichter zu organisieren und zu bewältigen, als wenn erst einmal zwei Wochen die Kita zumacht, dann die Grundschule ihre Türen verschließt und anschließend noch die Gesamtschule eine Zwangspause einlegt. Denn, machen wir uns nichts vor: Die Infektionswelle rollt, und früher oder später muss wahrscheinlich jede Schule dichtmachen. Warum also nicht alle gleichzeitig?

Digitale Kreativität ist gefragt

Die flächendeckende Schließung müsste und sollte allerdings nicht zu einer flächendeckenden Pause werden. Klar, die Aussicht auf Entschleunigung ist verlockend. Aber vielleicht lassen sich Coronaferien ja auch kreativ nutzen: indem Lehrkräfte, Eltern und Schüler gemeinsam neue Formen des Lernens ausprobieren. Mit Lernplattformen und Videokonferenzen, Chats und online gemeinsam bearbeiteten Dokumenten.

Natürlich wird uns Corona allein nicht in die digitale Schulzukunft katapultieren - dafür gab es in der Vergangenheit zu viele Versäumnisse. Aber einen spürbaren Impuls in Richtung neuer, digital gestützter Lernformen könnte es schon geben. Deshalb: Macht die Schulen zu! Und nutzt die Zeit, um digitales Unterrichten auszuprobieren. So könnten die Coronaferien zur Fortbildung für das ganze Land werden.