Medienbericht Im Januar war zeitweise rund jedes dritte Kitakind in einer Art Notbetreuung

Kinder sollen seit Mitte Dezember nur in die Kita kommen, wenn es unbedingt nötig ist – doch laut einem Medienbericht waren die Einrichtungen im Januar trotzdem recht ausgelastet. Wie sehr, hing stark vom Bundesland ab.
Spielendes Kind (Symbolbild): In den Kitas herrscht trotz Lockdown ordentlich Betrieb

Spielendes Kind (Symbolbild): In den Kitas herrscht trotz Lockdown ordentlich Betrieb

Foto: Uwe Anspach / dpa

Seit mehr als sechs Wochen gilt in Deutschland: Eltern sollen ihre Kinder möglichst zu Hause betreuen und nicht in die Kitas bringen. So lautete die Ansage nach der Bund-Länder-Runde Mitte Dezember zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Dennoch waren die Einrichtungen im Januar laut einem Zeitungsbericht zeitweise im Schnitt zu etwa einem Drittel ausgelastet. Ungeachtet der politischen Appelle an die Eltern sei die Inanspruchnahme einer Art Notbetreuung seit Jahresbeginn gestiegen. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)  in seinen Mittwochsausgaben.

Das RND hatte Daten zur Notbetreuung aus allen 16 Bundesländern angefragt. Zwölf Länder lieferten den Zeitungen entsprechende Angaben, die sich meist auf Mitte Januar bezogen, also den Zeitraum, bevor die Kita-Schließungen nach den jüngsten Beschlüssen von Bund und Ländern »restriktiver« gehandhabt werden sollten. Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen und Hessen übermittelten dem RND zufolge keine solchen Daten.

Beispiel Nordrhein-Westfalen: Hier seien vor zwei Wochen knapp 35 Prozent der Kinder in die Betreuung in den Kindertageseinrichtungen gebracht, teilte das Landesfamilienministerium laut RND mit. Zum Stichtag am 7. Januar habe die Quote noch bei 25 Prozent gelegen. In Thüringen zeichnete sich dem Bericht zufolge eine ähnliche Tendenz ab: Im Laufe des Januars stieg die Betreuungsquote leicht an.

Ein weiteres Ergebnis der Abfrage: Unter den Ländern, die Daten lieferten, seien teilweise deutliche Unterschiede in der Inanspruchnahme der Notbetreuung zu erkennen, berichten die RND-Zeitungen. So sei in Hamburg im Lockdown knapp die Hälfte der Kinder im Alter von bis zu sechs Jahren in einer Art Notbetreuung der Kitas gewesen, in Bayern hingegen nur knapp 20 Prozent. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Länder bei den Kita-Schließungen unterschiedliche Regeln vorgegeben hatten. Mancherorts durften etwa nur Eltern mit systemrelevanten Berufen ihre Kinder in die Kita bringen, anderswo blieb es bei einem dringlichen Appell an die Eltern.

Kanzlerin Angela Merkel hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass Kitas und Schulen bei möglichen Lockerungen nach dem derzeitigen harten Corona-Shutdown Vorrang bekommen. Es könne auch am 15. Februar nicht alles geöffnet werden, sagte Merkel. Anderenfalls drohe schnell wieder exponentielles Wachstum. »Eine Priorität für mich ist ganz klar, dass zuerst Kitas und Schulen wieder geöffnet werden müssen.« Das sei politisch völlig unstrittig.

Auch Söder will den Bildungseinrichtungen Priorität geben

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder stellte am gestrigen Dienstag eine Öffnung der Schulen und Kitas ab Mitte Februar in Aussicht. »Fakt ist, wenn keine höheren Einträge kommen, die Zahlen sinken, wenn es kein Durchlaufen von Mutationen gibt, dann gibt es auch eine Aufhellung im Februar«, sagte der CSU-Chef nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts in München.

Für die Regierung in Bayern hätten in dem Fall Schulen und Kitas Priorität, »weil es für die Schüler ganz wichtig ist, doch wieder einen geregelten und vernünftigen Unterrichtsmodus auf den Weg zu bringen«, sagte Söder. Er kündigte daher für Anfang Februar einen bayerischen Schulgipfel mit Eltern, Lehrern, Schülern und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) an. Dabei soll auch über ein Corona-Testkonzept für Lehrer und Schüler gesprochen werden.

Söder warnte aber davor, aufgrund aktuell guter Tendenzen bei den Corona-Zahlen zu früh nachzulassen. »Es ist nicht die Zeit für Lockerungen«, so der 54-Jährige. Auch in anderen Ländern zeige sich, dass gerade die »letzten Meter« im Kampf gegen hohe Infektionszahlen schwierig und anstrengend seien. Es gelte daher der Rat, »das Wasser zu halten, anstatt den Mund wässrig zu machen«.

Kretschmann will bald Entscheidung treffen

Und auch aus dem benachbarten Baden-Württemberg kommen Signale, die auf eine baldige Entspannung bei der Kinderbetreuung hoffen lassen. »Ich treffe morgen die Entscheidung auf der Grundlage der aktuellen Zahlen«, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Dienstag in Stuttgart. Falls der rückläufige Trend bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus anhält, will Baden-Württemberg Kitas und Grundschulen öffnen, dabei aber weitere Sicherheitsvorkehrungen treffen.

So soll weiterhin keine Präsenzpflicht bestehen. Klassen und Gruppen sollen geteilt und voneinander getrennt werden. Lehrer und Erzieher sollen hochwertige Sicherheitsmasken erhalten. Die Regierung stützt sich bei dieser Entscheidung auf Untersuchungen der Universitätskliniken in Tübingen, Ulm und Freiburg, die ergaben, dass Kinder unter zehn Jahren wenig zum Infektionsgeschehen beitragen und auch seltener erkranken.

jok/AFP
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