Coronakrise Wie soll es an Schulen und Unis weitergehen?

Unterricht im Schichtsystem, keine Klassenfahrten mehr: Bildungspolitiker und andere mutmaßen, wann und wie die Schulen wieder öffnen. Was die Hochschulen betrifft, gibt es konkrete Entscheidungen.
Klassenraum ohne Schüler: "Schulen werden nicht mehr sein wie vor Corona"

Klassenraum ohne Schüler: "Schulen werden nicht mehr sein wie vor Corona"

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/ DPA

Bis nach Ostern soll der Shutdown in Deutschland noch dauern. Wann und wie er endet, ist ungewiss. Die Wissenschaftsminister der Länder haben sich dennoch auf einige Eckpfeiler verständigt, ob, wie und wann der Lehrbetrieb an deutschen Unis in den kommenden Wochen aufgenommen werden soll.

Das Sommersemester an den Hochschulen soll demnach trotz Coronakrise in ganz Deutschland stattfinden und am 20. April beginnen. Es werde "ein ungewöhnliches, es soll jedoch kein verlorenes Semester sein", teilte die Kultusministerkonferenz (KMK) am Freitag nach der Einigung mit. Man wolle die nötigen Rahmenbedingungen für einen möglichst reibungslosen Lehr- und Forschungsbetrieb schaffen.

"Die Hochschulen und die Studierenden brauchen jetzt Klarheit", sagte Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) zu der Einigung. Den Vorlesungsbeginn immer wieder zu verschieben, helfe nicht. Ziel sei aber, dass die Lehrangebote zunächst möglichst umfangreich digital angeboten würden.

Studierenden ein Semester "schenken"

"Aus dem Umstand, dass Leistungen aufgrund der Corona-Pandemie nicht erbracht werden können, soll den Studierenden kein Nachteil entstehen", heißt es vom Hamburger Senat.

Zuvor hatten Verbände und Studierendenvertreter gefordert, das Semester dürfe nicht auf die Regelstudienzeit oder die Förderung beim Bafög angerechnet werden. Der Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Peter-André Alt, hatte gefordert, den Studierenden solle das Semester "geschenkt" werden.

Wie die KMK weiter mitteilte, sollen die Vorlesungen an Universitäten und Fachhochschulen im Wintersemester einheitlich am 1. November beginnen. Die Bewerbungsportale bei der Stiftung für Hochschulzulassung für das Wintersemester würden zudem frühestens am 1. Juli geöffnet, hieß es.

Zudem würden Bewerbungs- und Zulassungsfristen für das Wintersemester angepasst, um den nach hinten verlegten Abiturprüfungen Rechnung zu tragen. Mehrere Bundesländer hatten in den vergangenen Tagen den Beginn der schriftlichen Klausuren wegen der Coronakrise verschoben.

"Schulen werden nicht mehr sein wie vor Corona"

Ob und wann die Schulen zu ihrem bisherigen Alltag zurückkehren können, ist derzeit völlig ungewiss. Nach Einschätzung von Lehrerverbänden, Bildungspolitikern und -gewerkschaften wird auch bei Lockerungen der strengen Anti-Corona-Maßnahmen für längere Zeit keine Normalität einkehren.

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"Die Schulen werden auf absehbare Zeit nicht mehr so sein wie vor Corona", sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Schulkonzerte, Ausflüge, Klassenfahrten - das alles werde es erst mal nicht mehr geben.

Falls die Schulen nach den Osterferien wieder schrittweise geöffnet werden sollten, könnten laut Meidinger zunächst die Abschlussklassen wieder zurückkommen. Diese Schüler benötigten die Schule jetzt wegen der Prüfungen am dringendsten. Unter Umständen sollten sie mit Mundschutz in die Schulen kommen. "Unterstützend kann man sich vorstellen, die Schüler weiter auseinanderzusetzen", sagte der Schulleiter.

Eisenmann: Unterricht im Schichtwechsel

Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann geht ebenfalls davon aus, dass der Unterricht wohl nur schrittweise wieder beginnen kann. "Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass wir direkt nach den Osterferien wieder von null auf hundert starten", sagte die CDU-Politikerin der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten".

Denkbar sei vielmehr, dass zunächst nur einige Klassen in die Schulen zurückkämen, um die Abstands- und Hygienevorschriften einzuhalten. So könnten an den Grundschulen an einigen Tagen die Klassen eins und zwei kommen, an den anderen die Klassen drei und vier. Denkbar sei auch, dass die Abschlussklassen zurückkämen, um sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten.

Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sagte: "Es bleibt dabei: Wir fahren auf Sicht. Wenn die Bundesregierung derzeit nicht sagen kann, wie es ab dem 20. April weitergeht, können wir auch noch nicht absehen, welche Entwicklungen für das Schulleben wir erwarten."

Eine schrittweise Öffnung sei sicherlich ein Weg. "Herausforderung bleibt trotzdem, dass der Platz in den Klassenräumen nicht groß genug ist, um auch nur annähernd einen entsprechenden Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zu gewährleisten. Hier braucht es kreative Lösungen, um die Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte zu schützen."

fok/dpa
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