Coronavirus Kultusministerin gegen flächendeckende Schulschließungen

Keine Schulschließungen, keine Verschiebung der Ferien: Stefanie Hubig, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, hat sich klar gegen breite Eingriffe ins Bildungssystem wegen Corona ausgesprochen.
Geschlossenes Gymnasium in Heinsberg (Nordrhein-Westfalen)

Geschlossenes Gymnasium in Heinsberg (Nordrhein-Westfalen)

Foto: Jonas Güttler/ dpa

Stefanie Hubig, Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz, hält eine bundesweite Schließung der Schulen wegen des Coronavirus nach aktuellem Stand nicht für nötig. Auch eine Verschiebung der Ferientermine sei bei den Kultusministern der Länder "derzeit kein Thema", sagte die SPD-Politikerin der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Die Situation bei der Ausbreitung des Erregers sei im Bundesgebiet regional sehr unterschiedlich, sagte Hubig. Sie verwies auf das Beispiel Rheinland-Pfalz, wo die Gesundheitsämter nur im Einzelfall und in Absprache mit den Schulträgern über Schulschließungen entschieden. Allerdings sei an allen Schulen jetzt verstärkt auf Hygienemaßnahmen zu achten.

Auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) sprach sich im Interview mit derselben Zeitung gegen generelle Schulschließungen aus. Einen solchen Schritt hatte zuletzt der Virologe Alexander Kekulé gefordert. Er plädiert schnellstmöglich für zweiwöchige "Coronaferien" an allen Schulen und Kitas. Nur so lasse sich die Ausbreitung des Virus in Deutschland noch einigermaßen begrenzen und kontrollieren, so Kekulé.

Italien setzt auf genau diese Strategie: Dort werden wegen des Coronavirus ab diesem Donnerstag sämtliche Schulen und Universitäten bis zum 15. März geschlossen. Das Land ist der größte Herd des Erregers in Europa. Wie der italienische Zivilschutz am Mittwochabend mitteilte, gibt es inzwischen 107 bestätigte Todesopfer und 3089 Infizierte. Auch in Japan hatten die Behörden mehrwöchige Schließungen aller Bildungseinrichtungen angeordnet.

In Deutschland hatte sich dagegen auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gegen eine generelle Schließung der Schulen ausgesprochen. Nach Beratungen mit seinen Länderkollegen sagte Spahn, über solche Maßnahmen solle jeweils vor Ort entschieden werden. So hatten nach dem Auftreten von Infektionsfällen einzelne Schulen in mehreren Bundesländern ihre Arbeit eingestellt, etwa in Nordrhein-Westfalen und Berlin. "Pauschale Schließungen" halte er allerdings nicht für angemessen, so Spahn.

Auch der Deutsche Lehrerverband lehnt flächendeckende Schulschließungen wie in Italien ab. Lange Komplettschließungen ohne "konkret nachgewiesene, bestätigte Verdachtsfälle" halte er für falsch, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Deutschen Presse-Agentur: "Das wäre ein Maßnahmen-Overkill."

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him/AFP
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