»Völlig verfrüht« An vielen Schulen entfällt die Maskenpflicht – trotz eindringlicher Mahnungen

Erstmals nach langer Zeit dürfen viele Schülerinnen und Schüler ab Montag ohne Maske in die Schule gehen. Lehrerverbände warnen: Sie fürchten noch mehr Ansteckungen, Unterrichtsausfall und Lernrückstände.
Die Maske: Nervig oder nötig?

Die Maske: Nervig oder nötig?

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Matthias Balk / dpa

Monatelang gehörte die Maske in den Schulranzen wie die Brotdose. Ab Montag dürfen viele Kinder und Jugendliche auf die Mund-Nasen-Bedeckung verzichten, denn dann wird die Maskenpflicht an Schulen in den meisten Bundesländern gestrichen. »Wenn die Maskenpflicht in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen fällt, muss das ebenso für Kinder und Jugendliche und die Schulen gelten«, argumentiert Karin Prien, Bildungsministerin in Schleswig-Holstein und Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK).

Gerade in der jetzigen Situation gehe es darum, die Schülerinnen und Schüler bevorzugt zu behandeln, statt sie schlechter zu stellen als weitere Teile der Gesellschaft, sagte die Ministerin. Prien bezieht sich auf die neue Rechtsgrundlage der Ampelkoalition, die insgesamt deutliche Lockerungen beim Coronaschutz in Deutschland vorsieht. Sie war gegen den Widerstand mehrerer Ministerpräsidenten verabschiedet worden.

Die Übergangsfrist endet am 2. April. Danach soll an den Schulen zwar weiter getestet werden, aber Masken dürfen hier dann nicht mehr vorgeschrieben werden, es sei denn, ein Bundesland erklärt eine Region zum sogenannten Hotspot, dort wäre dies weiterhin möglich.

Massive Kritik von Lehrerverbänden: »Völlig verfrüht«

In den vergangenen zwei Jahren hatten die Länder immer wieder mal strengere, mal lockere Regeln zu Masken an Schulen erlassen, stets begleitet von massiven Kontroversen, so auch dieses Mal. Scharfe Kritik kommt von Lehrerverbänden.

»Bei nach wie vor extrem hohen Inzidenzwerten an den Schulen bedeutet das Ende der Maskenpflicht, den einfachsten Gesundheitsschutz für Beschäftigte, Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern zu beenden«, sagt die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern.

Sie befürchtet durch das Ende der Maskenpflicht noch mehr Ansteckungen, weiteren Unterrichtsausfall und wachsende Lernrückstände. »Das ist verantwortungslos. Die Schulen werden von der Politik alleingelassen.«

»Es wird zwangsläufig zu vermehrten Ausfällen kommen, und die Teilhabe der Schülerinnen und Schüler am Unterricht wird gefährdet.«

Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE)

Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, mahnte, schon jetzt müssten Stundenpläne eingekürzt und Lerngruppen zusammengelegt werden. »Es wird zwangsläufig zu vermehrten Ausfällen kommen, und die Teilhabe der Schülerinnen und Schüler am Unterricht wird gefährdet.«

Vor dem Hintergrund des weiterhin hohen Infektionsgeschehens unter Kindern und Jugendlichen sei es »unverantwortlich«, dass die Maskenpflicht in den Schulen falle. »Bei der derzeit herrschenden Personalnot können wir es uns nicht leisten, derart wirksame Infektionsschutzmaßnahmen aufzugeben«, so Beckmann.

Auch Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, findet die Abschaffung »völlig verfrüht«. Er verwies auch auf Eltern vorerkrankter Kinder und Familien mit Risikopersonen im Haushalt. Diese machten sich »zu Recht große Sorgen, dass damit die Schulen jetzt endgültig zur Durchseuchung freigegeben werden«.

Deutschland hat knapp elf Millionen Schülerinnen und Schüler. Unter ihnen gab es in der vergangenen Woche rund 347.000 Infektions- und Quarantänefälle, wie die KMK mitteilt. Bei den Lehrkräften wurden aus den Bundesländern demnach 36.400 Corona- und Quarantänefälle gemeldet. Bundesweit gibt es knapp 900.000 Lehrerinnen und Lehrer.

Die wöchentlich veröffentlichten Zahlen geben nur einen groben Überblick. Nicht aus allen Ländern liegen vollständige Daten vor. Bei Schülerinnen und Schülern waren in den ersten beiden Februarwochen mit fast 550.000 Corona- und Quarantänefällen Höchststände erreicht worden. Bei den Lehrkräften waren zum damaligen Zeitpunkt 28.200 Fälle bekannt.

»Hotspots«: Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern

In Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen greift das Ende der Maskenpflicht an Schulen erst in zwei Wochen, nach den Osterferien. Berlin hat die Maskenpflicht in Schulen bereits an diesem Freitag abgeschafft. Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg wollen die Hotspot-Option nutzen.

In der Hansestadt bleibt es damit bei der Maskenpflicht im Schulgebäude. Allerdings dürfen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte ab Montag die Maske abnehmen, wenn sie in ihrer Klasse an ihrem Platz sitzen.

Die Regel sei vergleichbar mit den Vorschriften in Restaurants: »Wer seinen Platz einnimmt, darf die Maske abnehmen. Wer umherläuft, muss die Maske dagegen aufsetzen«, teilt der Schulsenat mit.

Man sei mit dieser Regelung vorsichtiger als die meisten anderen Länder, räumt Schulsenator Ties Rabe ein, schaffe aber dennoch für die Schulbeteiligten eine deutliche Erleichterung.

Gerade das konzentrierte Lernen, Zuhören und Sprechen werde durch die Maske oft sehr eingeschränkt: »Wer will, kann jetzt die Maske öfter abnehmen.«

fok/dpa