Soziale Isolation und Vereinsamung in der Pandemie Studentenwerk fordert Corona-Hochschulgipfel

Weil in der derzeitigen Welle vor allem über Schulen diskutiert wird, fühlen sich viele Studierende abgehängt. Matthias Anbuhl, Generalsekretär des Studentenwerks, fordert deshalb ein Spitzentreffen von Bund und Ländern.
Begrüßungsveranstaltung für Erstsemester in Stuttgart (Archivbild)

Begrüßungsveranstaltung für Erstsemester in Stuttgart (Archivbild)

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Bei den Diskussionen über Corona-Auswirkungen für das Bildungssystem müssten jetzt endlich auch einmal die Studierenden in den Fokus rücken. Das fordert Matthias Anbuhl, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks (DSW). »Es ist höchste Zeit, dass Bund und Länder in ihrer gemeinsamen Pandemiepolitik stärker die soziale Lage der Studierenden in den Blick nehmen«, sagte Anbuhl vor dem Treffen der Regierungschefs mit Bundeskanzler Scholz am Montag.

Seit Beginn der Pandemie hätten sich die Studierenden »absolut solidarisch verhalten mit den vulnerablen Gruppen unserer Gesellschaft; sie haben eine weit über dem Durchschnitt liegende Impfquote und nun schon drei reine Online-Semester und das Hybrid-Wintersemester 2021/2022 klaglos hinter sich gebracht«, sagte Anbuhl dem SPIEGEL.

Mittlerweile aber seien die coronabedingten Belastungen überall im Leben der Studierenden spürbar: »Viele von ihnen habe mit sozialer Isolation und Vereinsamung zu kämpfen, zumal viele Hochschulen auch jetzt wieder die gesamte oder einen Großteil ihrer Lehre auf Online umgestellt haben wegen der Omikron-Welle.«

»Die Zeit ist überreif für eine ehrliche Analyse«

Der DSW-Generalsekretär fordert deshalb schnellstmöglich einen Bund-Länder-Hochschulgipfel. »Bund und Länder müssen mit allen Hochschulakteuren – den Hochschulen selbst, den Studierenden, den Studierendenwerken – in einem offenen Dialog die Situation der 2,9 Millionen Studierenden in Deutschland diskutieren und die Probleme angehen«, sagte Anbuhl.

Im Sommer beginne das fünfte Pandemiesemester, »und die Zeit ist überreif für eine ehrliche Problemanalyse und Standortbestimmung«. Ob die Hochschulen in Präsenz bleiben oder digital öffnen, unterscheide sich mitunter von Seminar zu Seminar. Die Studierenden, aber auch die Studierendenwerke bräuchten hier mehr Planungssicherheit.

»Genauso, wie zu Recht Schülerinnen und Schüler in der Debatte über Bildung in der Pandemie politische Aufmerksamkeit zuteilwird, muss sich nun die politische Aufmerksamkeit auch auf die Hochschulbildung richten«, sagte Matthias Anbuhl weiter. Viele Studierende hätten das Gefühl, von der Politik übersehen und vergessen zu werden – darauf müssten Bund und Länder jetzt endlich eine Antwort geben.

him
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