Corona-Prävention Tests und Masken – so geht es an den Schulen weiter

Über zwei Jahre nach Beginn der Pandemie halten die Länder an ihren Sonderwegen fest: Einige testen regelmäßig weiter, andere verzichten darauf komplett – und NRW verbietet seinen Schulen eine interne Maskenpflicht.
Damals gab es noch Masken und regelmäßige Schnelltests für alle: Schüler in einem Hamburger Gymnasium im August 2021

Damals gab es noch Masken und regelmäßige Schnelltests für alle: Schüler in einem Hamburger Gymnasium im August 2021

Foto: Christian Charisius / picture alliance/dpa

Keine Masken, kaum noch Tests: Nach den Osterferien kehren die Schülerinnen und Schüler in den Unterricht zurück. Doch auf ein einheitliches und abgestimmtes Vorgehen beim Verzicht auf regelmäßige Coronatests konnten sich die Länder auch dieses Mal nicht einigen: In sechs Bundesländern ist die Testpflicht im Unterricht bereits abgeschafft, in weiteren sechs läuft sie spätestens Ende dieser Woche mit dem Monatswechsel aus.

Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den 16 Ländern hervor. Lediglich in Berlin und Thüringen wird auch danach noch weitergetestet: in Thüringen noch bis zum 6. Mai und in Berlin »bis auf Weiteres«, wie es aus der Bildungsverwaltung hieß. Allerdings stellte die Berliner Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Die Grünen) am Montag ein baldiges Ende der Testpflicht an Schulen in Aussicht. Aus Hamburg und dem Saarland sind bisher noch keine Entscheidungen über den Umgang mit Tests ab Mai bekannt.

Noch Mitte März hatte die Kultusministerkonferenz (KMK) in einem gemeinsamen Beschluss  erklärt, dass den Ministerinnen und Ministern nach Beratungen mit Fachleuten klar sei, »dass schnelle Lockerungen Fragen aufwerfen«. Deshalb werde »in den kommenden Wochen ein vorausschauender und behutsamer Weg zurück in die Normalität verfolgt«.

»Schule darf keine Ausnahme sein«

Doch was als vorausschauend und behutsam gilt, das interpretieren die Schulministerinnen und -minister offenkundig ganz unterschiedlich. Schon bei der Abschaffung der Maskenpflicht hatte es weit voneinander abweichende Einschätzungen gegeben: Während sich etwa Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) vor und nach den Osterferien noch verpflichtende Schutzmasken in den Schulen gewünscht hatte, dafür aber im thüringischen Landtag keine Mehrheit fand, begrüßt seine NRW-Amtskollegin Yvonne Gebauer (FDP) die Abschaffung der Schutzmaßnahmen ausdrücklich.

»Überall in der Gesellschaft wurden die Coronamaßnahmen zurückgenommen, da darf Schule keine Ausnahme sein«, sagte Gebauer der »Rheinischen Post« . Auch Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte müssten jetzt von den Lockerungen profitieren.

Die FDP-Ministerin bekräftigte außerdem das von ihr erlassene Verbot für eine von einzelnen Schulen beschlossene, interne Maskenpflicht: »Ich kann das den Schulgemeinschaften nicht freistellen, weil ein Beschluss zum Beispiel von einer Schulkonferenz nicht über einem Infektionsschutzgesetz des Deutschen Bundestages stehen kann.« Es sei Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften aber selbstverständlich freigestellt, zum Selbstschutz weiter eine Maske zu tragen.

Abiturklausuren in Gefahr?

Bei Schulleitungen und Gewerkschaften an Rhein und Ruhr kommen die Lockerungen direkt im Anschluss an die Osterferien nicht besonders gut an. »Wir sehen das sehr kritisch, dass die Maske als Basisschutz bereits fallen gelassen wurde«, sagt Ayla Çelik, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), im Gespräch mit dem SPIEGEL.

Gerade im Hinblick auf anstehende Prüfungen wäre es aus ihrer Sicht wünschenswert gewesen, dieses Instrument der Vorsorge beizubehalten, erklärt Çelik. Und auch bei den anlasslosen Tests hätte sich die Gewerkschafterin eine Fortsetzung mindestens bis in den Mai hinein gewünscht, »um Infektionen nach der Rückkehr aus den Osterferien zu entdecken«. Wenn es jetzt zu neuen Infektionswellen komme, sei im schlimmsten Fall der Präsenzunterricht gefährdet: »Da sind Masken und Tests nun wirklich das kleinere Übel.«

Sorgen machen sich auch viele Schulleitungen. »Die Wochen vor den Ferien waren sehr anstrengend und wir hatten hohe Krankheitszahlen«, blickt die Neusser Schulleiterin Susanne Huptasch in der »Westdeutschen Zeitung«  auf die Zeit vor Ostern zurück. Sie habe deshalb mit Blick auf Reiserückkehrer und mögliche Freizeitkontakte rund um Ostern einen Brief an die Eltern verschickt, in dem sie um einen – freiwilligen – Test aller Kinder vor der Rückkehr in den Unterricht bittet. Auch die Masken dürften und sollten weiter getragen werden. Mehr als ein Appell an die Eigenverantwortung, so Huptasch, bleibe ihr jedoch nicht.

Auch der nordrhein-westfälische Philologenverband ist mit den Lockerungen nicht glücklich. »Für uns ist nicht nachvollziehbar, warum diese einfachen und etablierten Schutzmöglichkeiten wegfallen«, sagt die Vorsitzende Sabine Mistler – und verweist auf Prüfungen, die ab dieser Woche geschrieben werden: »Es stehen vielfach Abschluss- und Abiturarbeiten an, durch den Wegfall der Maskenpflicht und Tests sehen wir den regulären Ablauf gefährdet.« Es wäre fatal, »wenn es zu Beginn der Abiturprüfungen zu neuen Infektionen oder vielen Quarantänefällen kommen würde«, erklärte Mistler.

Mögliche Nachschreibetermine nach einer Erkrankung würden nicht nur den Druck auf Schülerinnen und Schüler erhöhen. Auch für Lehrerinnen und Lehrer könnten sich dadurch die Korrekturzeiten verringern. Und mit Blick auf das mündliche Abitur wären Ausfälle unter den Lehrkräften fatal, sagte Mistler: »Für Abiturientinnen und Abiturienten wäre es schwierig, wenn sie coronabedingt auf ihre vertrauten Gesichter verzichten und vor fremden Lehrkräften ihre Prüfungen ablegen müssten.«

mit Material von dpa
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