Coronastrategie Umweltbundesamt ändert Bewertung von mobilen Luftfiltern in Schulen

Das Umweltbundesamt war bisher eher zurückhaltend, was den Nutzen mobiler Luftfilter für Schulen in der Coronakrise angeht. Nun gab ein Forscher der Behörde eine neue Einschätzung ab.
Grundschulkinder in Kiel

Grundschulkinder in Kiel

Foto: Gregor Fischer / picture alliance / dpa

Das Umweltbundesamt (UBA) hat seine Bewertung zu mobilen Luftfiltergeräten in Schulen geändert. »Natürlich helfen mobile Luftfilter gegen Viren – wenn es sich um geprüfte Geräte handelt und sie richtig im Klassenraum aufgestellt sind«, sagte Heinz-Jörn Moriske, Geschäftsführer der Innenraumlufthygiene-Kommission des UBA, dem »Handelsblatt«.

»Das Aufstellen und Einrichten sollte aber von Fachleuten gemacht werden«, fügte Moriske hinzu. »Es macht keinen Sinn, wenn Eltern ungeprüfte Geräte im Baumarkt kaufen und willkürlich im Raum verteilen.« Der UBA-Experte ergänzte, dass mobile Luftreiniger zwar Viren herausfiltern oder deaktivieren könnten, dass sie aber nicht gegen Schimmel oder Feuchtigkeit im Klassenzimmer helfen. »Das heißt, sie verbessern nicht die allgemeine Luftqualität und wären nach der Pandemie im Prinzip überflüssig beziehungsweise erst in einer nächsten Pandemie wieder von Nutzen.«

In einer Handreichung für die Schulen  hatte das Amt im Herbst 2020 über mobile Luftfilter geschrieben, diese seien nicht als Ersatz, »sondern als Ergänzung zum aktiven Lüften geeignet, da mit ihnen keine Raumluft gegen Außenluft ausgetauscht wird«. Moriske wies im »Handelsblatt« die Behauptung zurück, das UBA habe damit vom Einsatz mobiler Luftfilter abgeraten.

Neue Beurteilung

Das klang im Februar 2021 auf der UBA-Website noch anders. »Mobile Luftreinigungsgeräte versprechen, virushaltige Partikel in Innenräumen zu reduzieren«, heißt es da . Und weiter: »Ob die Minderungen ausreichen, eine Infektionsgefahr in dicht belegten Klassenräumen abzuwenden, ist nach jetzigem Wissensstand unsicher.«

Das Lehrerportal »News4teachers« fühlt sich angesichts der jetzt deutlich positiveren Beurteilung von mobilen Geräten »hinters Licht geführt« und spricht von einem »Luftfilter-Skandal«. Die Öffentlichkeit sei seit fast einem Jahr darüber getäuscht worden, dass mobile Luftfilter in Kitas und Schulen vor Coronainfektionen hätten schützen können .

Das Umweltbundesamt ließe eine Anfrage des SPIEGEL am Donnerstagvormittag bislang unbeantwortet.

Mehrere Kultusministerien hatten sich bisher unter Berufung auf die ältere UBA-Einschätzung bei der Anschaffung von Luftfilteranlagen für die Schulklassen zurückgehalten – darunter Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im Kultusministerium in Erfurt etwa hieß es dazu noch vor wenigen Tagen: »Die Empfehlungen des Umweltbundesamtes lassen sich zugespitzt folgendermaßen zusammenfassen: Der beste Luftreiniger ist das geöffnete Fenster.«

Der Streit über Luftreiniger ist mit Blick auf das kommende Schuljahr wieder hochgekocht. Bildungsgewerkschaften, Lehrerverbände, Politikerinnen und Politiker fordern, die Sommerzeit zu nutzen, um in Luftfilteranlagen zu investieren, damit es nicht wieder zu Schulschließungen kommt.

In der Diskussion geht allerdings vieles durcheinander: Der Nutzen fest installierter Luftreinigungsanlagen, die aufwendiger einzubauen sind, ist nicht umstritten. Bei mobilen Geräten ist die Lage nicht ganz so klar. In einer Leitlinie für den Schulbetrieb unter Coronabedingungen hatten medizinische Fachgesellschaften, Robert Koch-Institut, Bildungs- und Kinderschutzverbände bisher weder eine klare Empfehlung dafür noch dagegen ausgesprochen.

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) hatte am Donnerstag den massenhaften Einbau der stationären Filter als Augenwischerei bezeichnet: »Um solche stationären Anlagen einzubauen, müssten alle rund 500.000 Klassen- und Unterrichtsräume aufwendig umgebaut werden – einschließlich Wanddurchbrüchen, Verputz- und Maurerarbeiten sowie der Installation von Elektro- und Rohrleitungssystemen.« Das würde selbst bei größter Anstrengung mehrere Jahre dauern, sagte Rabe.

»Habt einen ganz tollen Sommer«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat unterdessen den Schülerinnen und Schülern in Deutschland schöne Sommerferien gewünscht. »Habt einen ganz tollen Sommer«, sagte Steinmeier in einer am Donnerstag veröffentlichten kurzen Videobotschaft . Für die Zeit nach den großen Ferien wünsche er dann ein »möglichst normales neues Schuljahr«.

Steinmeier sagte, das nun in einigen Bundesländern bereits beendete und in anderen Bundesländern vor dem Ende stehende Schuljahr sei kein einfaches gewesen, weder für die Schüler noch für die Eltern oder die Lehrer. »Ein großes Dankeschön für eure Geduld und dafür, dass ihr auf manches verzichtet und mitgeholfen habt, dass wir den Kampf gegen Corona gewinnen«, sagte der Bundespräsident zu den Kindern und Jugendlichen.

him/dpa/AFP
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