Forderung der Bildungsgewerkschaft Kein Sitzenbleiben im Corona-Jahr

Egal, wie das Zeugnis aussieht: Geht es nach der GEW, sollen Schülerinnen und Schüler in diesem Jahr in jedem Fall versetzt werden. Auch Abschlussprüfungen sollen nicht nötig sein – sogar beim Abitur.
Schüler*innen in der Krise: Corona darf laut GEW nicht über Versetzung entscheiden (Symbolbild)

Schüler*innen in der Krise: Corona darf laut GEW nicht über Versetzung entscheiden (Symbolbild)

Foto: Uli Deck/ picture alliance / dpa

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert am Ende des laufenden Schuljahrs eine Versetzung sämtlicher Schülerinnen und Schüler. »Eine Ausnahmesituation wie die Coronakrise verlangt besondere Regelungen: In diesem Schuljahr darf niemand sitzenbleiben«, sagte die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe. Abitur und Mittlerer Abschluss müssten auch ohne Prüfung auf Basis von Vorleistungen abgelegt werden können, so Tepe gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Kultusministerinnen und -minister müssten dringend ein Konzept vorlegen, »wie Leistungsmessung, Prüfungen und Abschlüsse unter Corona-Bedingungen zu gestalten sind«, forderte Tepe. Es müsse zugleich sichergestellt werden, dass die Länder alle Abschlüsse gegenseitig anerkennen.

»In diesem Schuljahr ist eben vieles anders gelaufen als sonst«

Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sprach sich für eine flexible Bewertung der Leistungen und Umstände der Schüler durch die Lehrkräfte aus. »Einen generellen Corona-Bonus wird es aber nicht geben«, sagte VBE-Chef Udo Beckmann. Mit Blick auf das Abitur verwies auch die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands auf die Kompetenz der Lehrerinnen und Lehrer vor Ort.

Vergleichbarkeit durch zentrale Aufgaben sei zwar grundsätzlich richtig, sagte Susanne Lin-Klitzing. »Doch in diesem Schuljahr ist eben vieles anders als sonst gelaufen – und oft kann nur der Lehrer vor Ort genau beurteilen, was gelernt werden konnte und was nicht.«

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter-André Alt, forderte ein einheitliches Vorgehen der Länder beim Abitur. Notenboni müsse es für alle oder für niemanden geben, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Wenn man etwas unternimmt, dann bitte in Abstimmung.«

Wissenslücken bei den Abiturienten stellten die Universitäten voraussichtlich aber eher nicht vor große Probleme: Hochschulen könnten mehr der in den letzten Jahren etablierten Brückenkurse anbieten, die zu Semesterbeginn Nachhilfe in bestimmten Fächern bieten, so Alt.

lmd/dpa/AFP
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