Einheitliche Regeln Gesundheitsminister schaffen Klassen-Quarantäne ab – zumindest grundsätzlich

Die Länder haben sich auf einheitliche Coronamaßnahmen an Schulen geeinigt. Die Quarantäne kann künftig schon nach fünf Tagen beendet werden und soll nicht mehr für die ganze Klasse gelten.
Coronafrei: Quarantäne soll es künftig nur noch für Sitznachbarn geben

Coronafrei: Quarantäne soll es künftig nur noch für Sitznachbarn geben

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Christoph Hardt / imago images

Die Gesundheitsminister der Länder haben sich mehrheitlich für einfachere Quarantäneregeln bei Coronafällen in Schulen ausgesprochen. Grundsätzlich solle bei einem Fall nicht mehr für den gesamten Klassenverband Quarantäne angeordnet werden, heißt in einem Beschluss nach Beratungen mit dem Bund.

Der Vorsitzende der Länder-Ressortchefs, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte, dies solle als »Leitplanke« an die Gesundheitsämter weitergegeben werden. Ziel sei guter Infektionsschutz und so viel Präsenzunterricht wie immer möglich. Der Beschluss wurde laut Holetschek bei Enthaltung zweier Bundesländer angenommen.

Gesundheitsämter können im Einzelfall abweichen

Kinder, die als enge Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt werden und keine Symptome haben, sollen diese demnach frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden können. Dabei sollen die Gesundheitsämter vor Ort im Einzelfall auch abweichend entscheiden können.

In dem Beschluss heißt es, Quarantäne-Anordnungen seien generell »mit Augenmaß« zu erlassen und abhängig von Schutzkonzepten mit Lüftung, Tests und dem Tragen von medizinischen Masken. Im Interesse eines möglichst verlässlichen Präsenzunterrichts sei die Quarantäne außerdem »auf möglichst wenige Personen« zu beschränken. Geimpfte und genesene Personen sollen grundsätzlich ausgenommen sein.

Bei übrigen Kindern der Klasse, die nicht als enge Kontaktpersonen eingestuft sind, sollten »für eine gewisse Zeit« intensivierte Tests vorgenommen werden, heißt es in dem Beschluss weiter.

Auch in Kitas solle es Quarantäne »nur mit Augenmaß unter Berücksichtigung der Belange der Kinder und Kinderbetreuungseinrichtungen« geben. Hier soll ebenfalls ein »Freitesten« nach frühestens fünf Tagen möglich sein.

Bislang gehen die Länder bei einer Quarantänedauer von 14 Tagen unterschiedlich damit um, sollte sich in einer Klasse ein infizierter Schüler finden. Teilweise werden nur Sitznachbarn in Quarantäne geschickt, teils ganze Klassen.

Kinderärzte wollen nur Infizierte in Quarantäne schicken

Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte kritisiert die Einigung der Länder-Gesundheitsminister zur Quarantäneregelung in den Schulen. »Wir finden es deutlich sinnvoller, nur das infizierte Kind in Quarantäne zu schicken«, sagt Verbandssprecher Jakob Maske der »Welt«.

»Kinder leiden auch bei fünf Tagen unter der Quarantäne, sitzen etwa eine zweistellige Stundenanzahl vor dem Bildschirm. Die Folgen haben wir in den vergangenen drei Lockdowns erlebt: Angst-, Zwangsstörungen oder Depressionen.« Besser wäre es gewesen, die Sitznachbarn des infizierten Schülers täglich vor dem Unterricht per PCR-Test zu testen, ergänzt Maske.

kfr/dpa/Reuters
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