Finanzhilfe gegen Lernrückstände Bund und Länder beraten über »Nachhilfe-Milliarde«

Weil die Schulen wegen Corona mehrfach für Wochen oder Monate geschlossen waren, konnten Millionen Kinder nur von zu Hause aus lernen. Damit sie den verpassten Stoff aufholen können, plant die Politik ein Förderpaket.
Kind im Homeschooling (Symbolbild)

Kind im Homeschooling (Symbolbild)

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ANDREW COULDRIDGE / REUTERS

Wegen des massiven Schulausfalls in der Coronakrise planen Bund und Länder ein umfangreiches Programm, damit Schülerinnen und Schüler entstandene Lernrückstände aufholen können. Nach Angaben von Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) haben sich die SPD-geführten Bundesländer nach längeren Beratungen auf konkrete Eckpunkte verständigt. »Die Schülerinnen und Schüler haben im vergangenen Jahr fast die halbe Zeit die Schule nicht besuchen können. Wir sind uns angesichts des Ausfalls einig, dass gehandelt werden muss, damit keiner den Anschluss verliert«, sagte Rabe. Demnach könnte das Förderprogramm einen Umfang von einer Milliarde Euro haben. Das sei zumindest die »Arbeitshypothese« zwischen Bund und Ländern.

Nach den Vorstellungen der SPD-geführten Länder könnte mit dem Geld etwa jedem vierten oder fünften der rund elf Millionen Schüler in Deutschland ein Angebot für eine Lernförderung gemacht werden: Entweder zwei Extrastunden pro Woche in Kleingruppen über ein gesamtes Schuljahr  verteilt oder vier Förderstunden pro Woche verteilt über ein halbes Schuljahr. Diese Lernförderung sollte nach Angaben Rabes möglichst unter dem Dach der Schulen stattfinden. Nachwuchslehrer im Studium, pensionierte Lehrkräfte oder Volkshochschulpersonal könnten zum Einsatz kommen. Aber auch andere externe Anbieter seien denkbar.

Über die Notwendigkeit eines gemeinsamen Bund-Länder-Programms zur Unterstützung bestehender Fördermaßnahmen in den Ländern sind sich den Angaben zufolge alle einig. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte dazu bereits Beschlüsse gefasst. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte: »Wir müssen alles dafür tun, dass die Kinder und Jugendlichen die Lernrückstände, die in der Coronazeit entstanden sind, wieder ausgleichen können. Deshalb ist die gemeinsame Initiative von Bund und Ländern für ein entsprechendes Förderprogramm gut und richtig.« Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte sich für ein »großes Nachholprogramm« ausgesprochen. Über die Details wird nun noch verhandelt – etwa, in welcher Höhe genau sich Bund und Länder daran beteiligen und welche Schüler konkret ein Förderangebot bekommen sollen.

Nach den ersten Schulschließungen im vergangenen Frühjahr hatten einige Bundesländer versucht, Kindern und Jugendlichen mit speziellen Angeboten wie etwa »Lernferien« zu helfen, etwaige Lernrückstände aufzuholen. Andere Vorschläge zielen darauf, Schülerinnen und Schüler samstags zu unterrichten, das Schuljahr zu verlängern oder die Ferien zu kürzen. Wie groß die Lernlücken tatsächlich sind, ist in Deutschland noch nicht umfassend empirisch erfasst worden. Studien etwa aus den Niederlanden legen nahe, dass die Rückstände etwa den Zeitraum der Schulschließungen umfassen. Demnach hätte Distanzunterricht kaum positive Effekte beim Lernen. Weiteren Studien zufolge geraten jüngere Schüler sowie Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien im Schnitt besonders stark ins Hintertreffen.

fok/dpa
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