Laptop für Fernunterricht Bedürftige Schüler bekommen Leihgeräte statt 150-Euro-Zuschuss

In vielen Familien gibt es höchstens einen Laptop oder Computer - was den dort lebenden Kindern Probleme mit dem Fernunterricht bereitet. Sie sollen nun Geräte von den Schulen geliehen bekommen.
Digitalunterricht in Bayern: 36 Prozent der Kinder mit einem niedrigeren sozioökonomischen Hintergrund gaben an, dass es in ihrer Familie höchstens ein digitales Endgerät gibt

Digitalunterricht in Bayern: 36 Prozent der Kinder mit einem niedrigeren sozioökonomischen Hintergrund gaben an, dass es in ihrer Familie höchstens ein digitales Endgerät gibt

Foto: Stefan Puchner/ dpa

Der von der großen Koalition vereinbarte Zuschuss von 150 Euro für bedürftige Schüler zur Anschaffung von Laptops oder Tablets soll nicht direkt an die Familien gehen. Die Geräte sollen stattdessen für die Schulen beschafft und von diesen an Schülerinnen und Schüler ausgeliehen werden. Das haben Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) und die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), am Freitag mitgeteilt.

"Die Geräte bleiben auch im Eigentum der Schule und können dadurch auch im Regelbetrieb von der Schule weiterhin genutzt werden", sagte Karliczek. Wer die Laptops oder Tablets für die Schulen beschaffe, werde von Land zu Land unterschiedlich geregelt.

Internetzugang noch ungeklärt

Union und SPD hatten wegen der Schulschließungen in der Coronakrise vereinbart, eine halbe Milliarde Euro zusätzliche Hilfsgelder für bedürftige Schüler und Schulen bereitzustellen. Die Bildungsministerin rechnet damit, dass die Vereinbarung zwischen Bund und Ländern in etwa drei Wochen unterschrieben ist und die Gelder dann fließen können.

Das "Sofortausstattungsprogramm" sollen die Schulen auch für die Erstellung von Online-Lehrangeboten nutzen. Laut Bildungsministerin Hubig, die zurzeit der Kultusministerkonferenz (KMK) vorsitzt, wollen die Länder das Geld aber vorrangig für Geräte ausgeben. Sie selbst rechne mit 350 Euro pro Stück. Damit ließen sich mit den 500 Millionen Euro bundesweit kurzfristig rund 1,4 Millionen Laptops oder Tablets für den Verleih anschaffen.

Allerdings müssen die Länder noch klären, wie die Geräte versichert und gewartet werden oder wie Schülerinnen und Schüler, die zu Hause kein WLAN haben, ins Internet kommen.

Ausstattung bisher "miserabel"

Einige Länder wie Hamburg und Rheinland-Pfalz haben bereits Geräte aus dem Schulbestand an bedürftige Schülerinnen und Schüler verliehen. Laut einer vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage ist die Ausstattung an vielen Schulen aber "miserabel". So sagten 2020  nur 37 Prozent der Schulleitungen, dass es an ihren Schulen Klassensätze an digitalen Endgeräten gebe.

Der VBE kritisierte zudem, dass die von den Schulen zu erstellenden Kriterien, wer ein Gerät erhalten solle, die Schulleitungen nicht vor die Bürde stellen dürfe, welche Schüler von dem Angebot ausgeschlossen würden.

Weiter Mischung aus Präsenz und Digitalunterricht

Bildungsexperten und Lehrerverbände hatten seit Beginn der Schulschließungen davor gewarnt, dass bestimmte Schülerinnen und Schüler abgehängt werden könnten, wenn zu Hause keine Geräte wie Laptops, PCs oder Tablets vorhanden seien. Vor allem Jugendlichen aus finanziell schlechter gestellten Familien fehlt diese Ausstattung häufig. Das geht aus einer Sonderauswertung der internationalen Bildungsstudie ICILS von 2018 hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.

36 Prozent der Kinder mit einem niedrigeren sozioökonomischen Hintergrund gaben an, dass es in ihrer Familie höchstens eines dieser Geräte gibt. Bei Jugendlichen aus besser gestellten Familien war das nur bei rund 15 Prozent der Fall.

Hubig sagte, sie hoffe, die Schülerinnen und Schüler bekämen die Geräte für einen langen Zeitraum geliehen, "damit sie auch ein Stück weit das Gefühl haben, dass es ihr Gerät ist".

Zwar wird in den Schulen jetzt allmählich der Lehrbetrieb wieder aufgenommen, an einen normalen Schulalltag ist wegen strenger Abstands- und Hygieneregeln aber voraussichtlich noch monatelang nicht zu denken. Karliczek rechnet mit einer Mischung aus Digital- und Präsenzunterricht, bis ein Impfstoff oder ein Medikament gegen das Coronavirus gefunden ist.

sun/dpa