Verwaltungsgericht Berlin Schülerin muss Abitur mitschreiben - trotz schwieriger Lernbedingungen

Kaum Ruhe, kein eigener Computer und kein Zugang zur Bibliothek: Eine Berliner Abiturientin wollte ihre Prüfung wegen der erschwerten Vorbereitung nachschreiben - aber scheiterte vor dem Verwaltungsgericht.
Abiturienten kurz vor der Prüfung (Archiv): Auch ohne Pandemie seien die Lernbedingungen von Schülerinnen und Schülern nicht gleich gut, argumentierte das Gericht

Abiturienten kurz vor der Prüfung (Archiv): Auch ohne Pandemie seien die Lernbedingungen von Schülerinnen und Schülern nicht gleich gut, argumentierte das Gericht

Foto: Felix Kästle/ dpa

Eine Berliner Abiturientin hat trotz erschwerter Prüfungsvorbereitung in der Coronakrise keinen Anspruch auf die Verschiebung ihrer Klausuren. Die Schülerin scheiterte vor dem Landesverwaltungsgericht laut Mitteilung vom Dienstag mit einem Eilantrag, in dem sie mit ihren schwierigen häuslichen Bedingungen argumentiert hatte. Demnach lebt sie mit ihren Eltern und ihrem Bruder in einer Zweieinhalbzimmerwohnung, in der sich alle seit dem 21. März überwiegend aufhalten.

Sie argumentierte, ihre Konzentrationsfähigkeit sei durch die familiäre Geräuschkulisse erheblich beeinträchtigt. Außerdem habe sie sich wegen der Ausgangsbeschränkungen nicht mit Mitschülern austauschen können. Zudem habe sie keinen eigenen Computer und habe sich nicht in einer Bibliothek auf die Prüfungen vorbereiten können. Unter den Umständen hat sie ihrer Ansicht nach keine chancengleichen Voraussetzungen.

Die Richter wiesen den Antrag zurück. Das Recht auf eine Verschiebung setze voraus, dass ein Prüfling an der gesamten Prüfung oder Teilen davon etwa krankheitsbedingt nicht teilnehmen könne. Der bloße Verweis auf die allgemeine "pandemiebedingte Stresssituation" reiche nicht aus. Denn Stress und Ängste zu einer Prüfung gehörten in den Risikobereich des Prüflings, solange sie nicht den Grad einer psychischen Erkrankung erreichten.

Die Kammer sah den Fall der jungen Frau auch nicht als besonderen Ausnahmefall an, weil viele Familien vor schwierige Herausforderungen gestellt seien. Wie in anderen Lebensbereichen könnten auch in der Coronakrise keine identischen Bedingungen gewährleistet werden, stellten die Richter fest. Dazu gehöre etwa, dass Schüler mit eigenem Zimmer oder eigenem Computer bessere Bedingungen zur Prüfungsvorbereitung vorfänden als andere.

Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingelegt werden. In der vergangenen Woche wies das Verwaltungsgericht bereits den Eilantrag einer anderen Berliner Abiturientin ab, die wegen gesundheitlicher Bedenken vom Abitur freigestellt werden wollte.

sun/AFP
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