Bei Jobverlust Bundesregierung plant Hilfe für Corona-betroffene Studierende

Rund 80 Prozent der Studierenden jobben normalerweise für ihren Lebensunterhalt. Weil wegen Corona viele dieser Jobs wegfallen, soll es jetzt zinslose Kredite geben.
Im Zeiten von Corona schwierig: die Suche nach einem Studentenjob

Im Zeiten von Corona schwierig: die Suche nach einem Studentenjob

Foto: Patrick Lux/ picture alliance / dpa

Studierende, die wegen der Corona-Pandemie ihren Job nicht mehr ausüben können und deshalb ohne Einkünfte dastehen, sollen vom Bund unbürokratische Finanzhilfe erhalten. Das hat Bundesbildungsministerin Anja Karliczek angekündigt. "Studierende, die ihren Job verloren haben, sollen als Überbrückungshilfe ein zinsloses Darlehen beantragen können", sagte Karliczek im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Die Unterstützung für die betroffenen Studierenden muss unbürokratisch, schnell und wirksam sein."

In einem Brief an ihre Ministerkollegen in den Ländern hatte Karliczek diesen Vorstoß in der vergangenen Woche angekündigt. Sie mache sich Sorgen über jene Studierenden, deren Studienfinanzierung durch die Pandemie unsicher geworden sei und die keinen Anspruch auf Bafög hätten. Für sie bleibe "nur der Gang zum Jobcenter und die dortige Beantragung eines Darlehens", heißt es in dem Schreiben.

Das Hauptproblem bei der Unterstützung von Studenten, die kein Bafög erhalten, ist nach Angaben aus Kreisen des Bildungsministeriums, einen Träger zu finden, der die Umsetzung des Darlehens übernehmen kann. Das Deutsche Studentenwerk hatte sich dazu nicht in der Lage gesehen. Vonseiten der Länder habe es bis Donnerstag noch keine Initiative für eine bundeseinheitliche Regelung gegeben.

"Kurzfristige Pandemie-Rückversicherung"

Karliczek sagte: "Mein Ziel ist es, dass kein Studierender aus finanziellen Gründen das Studium wegen der Corona-Pandemie aufgeben muss." Daher habe man die Bafög-Voraussetzungen im Rekordtempo angepasst. "Aber auch für die Studierenden, die pandemiebedingt in eine finanzielle Notlage geraten sind, aber nach wie vor nicht Bafög-berechtigt sind, wollen wir eine kurzfristige Pandemie-Rückversicherung schaffen."

Dieses Darlehen solle helfen, den Lebensunterhalt zu sichern. Die Ausgestaltung des Vorhabens müsse allerdings bedacht werden. "Die Gespräche laufen und sollen schnellstmöglich zum Abschluss gebracht werden."

Jens Brandenburg, hochschulpolitischer Sprecher der FDP im Bundestag, begrüßte die Ankündigung. Karliczek müsse nun endlich auch den Bundestag über ihre Pläne unterrichten. Zugleich kritisierte er, ein Darlehen schaffe kurzfristig Luft zum Atmen, löse die Geldsorgen vieler Studierender aber nicht auf Dauer. "Studierenden in besonderer finanzieller Not sollte Frau Karliczek auch direkte Zuschüsse zukommen lassen", forderte Brandenburg.

Die Grünen-Wissenschaftsministerinnen von Hessen, Baden-Württemberg und Hamburg sowie der Hochschulsprecher der Grünen im Bundestag, Kai Gehring, hatten am Vortag Corona-Hilfe vom Bund zur Unterstützung von Studierenden verlangt. In einem Fünf-Punkte-Papier heißt es, das Bafög solle vorübergehend geöffnet oder ein Notfallfonds des Bundes geschaffen werden. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern will über das Thema am kommenden Freitag bei einer Telefonkonferenz beraten.

him/dpa
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