Schulunterricht in Zeiten von Corona Mehrheit der Lehrkräfte spürt keine gestiegene Belastung

Eine neue Umfrage zeigt: Rund ein Drittel der Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland findet das Unterrichten in der Corona-Zeit anstrengender als sonst. Kommunikationsmittel Nummer eins: die E-Mail.
In der Corona-Pandemie müssen Kinder und Jugendliche zu Hause lernen

In der Corona-Pandemie müssen Kinder und Jugendliche zu Hause lernen

Foto: Peter Byrne/ dpa

Wenn die Schulen in diesen Tagen kleinschrittig wieder öffnen, sind in manchen Bundesländern mehr als zwei Monate vergangen, in denen sich Schüler und ihre Lehrkräfte nicht persönlich gesehen haben. In manchen Regionen standen vor dem offiziellen Corona-Lockdown noch Frühjahrsferien im Kalender, in Regionen wie dem Landkreis Heinsberg schlossen die Bildungseinrichtungen schon früher als anderswo.  

Experten betonten in den vergangenen Wochen immer wieder, wie wichtig der Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden sei, auch wenn er nur telefonisch, per E-Mail oder Videochat erfolgt.

So wirklich gut geklappt hat das in den meisten Fällen allerdings nicht. Nur einem Drittel der Lehrkräfte ist es nach eigenen Angaben gelungen, regelmäßig Kontakt zu allen Schülerinnen und Schülern zu halten, die normalerweise in ihrem Unterricht sitzen. Das geht aus einer repräsentativen Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung unter mehr als 400 Lehrkräften hervor.

Gut die Hälfte der Lehrkräfte erreichte immerhin einen Großteil der ihnen anvertrauten Schüler. Drei Prozent gaben an, überhaupt nicht in Kontakt zu stehen. Dabei sagten 52 Prozent der Befragten, sie fürchteten, dass die soziale Ungleichheit verschärft werde, wenn der Unterricht während der Corona-Zeit nach Hause verlegt worden ist.  

Die Meinungsforscher wollten auch wissen, ob sich die Lehrkräfte durch die Verlagerung des Unterrichts nach Hause mehr oder weniger belastet fühlten als sonst. Die Antworten fielen sehr heterogen aus: Ein Drittel antwortete, die eigene Arbeitslast sei durch die Corona-Pandemie gestiegen.

Vor allem die Kontrolle der Aufgaben und das damit verbundene Feedback, das Schülerinnen und Schüler erwarteten, empfanden die Lehrkräfte als anstrengend. 36 Prozent sagten hingegen, sie fühlten sich weniger belastet als normalerweise. Ein gutes Viertel konnte keinen Unterschied feststellen.

Mehr als 60 Prozent verschickt Aufgaben per E-Mail

Die Befragung gibt zudem einen Einblick, wie die Schulen den Unterricht während der Corona-Pandemie organisiert haben. Hier die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

  • Die Mehrheit der Lehrkräfte, rund 63 Prozent, verschickte E-Mails, um die Schülerinnen und Schülern mit Lernmitteln und Aufgaben zu versorgen. Ein Viertel nutzte internetbasierte Lernplattformen, etwa jeder fünfte Messenger-Dienste wie WhatsApp, jeder zehnte eine Cloud.

  • Nur rund ein Drittel der befragten Lehrkräfte gab an, an ihrer Schule gebe es ein Gesamtkonzept, wie der Unterricht aus der Ferne zu organisieren sei. Ein Viertel antwortete, komplett auf sich allein gestellt gewesen zu sein.

  • Ebenfalls ein gutes Drittel antwortete, die eigene Schule sei gut auf die neue Lernsituation vorbereitet gewesen, weil digitale Technik vorher bereits regelmäßig im Unterricht eingesetzt wurde.

"Schulen und Lehrkräfte besser unterstützen"

"Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, Schulen und Lehrkräfte in der Pandemie-Zeit künftig noch besser zu unterstützen", sagt die Schulpädagogin Birgit Eickelmann. Die Professorin der Universität Paderborn, die unter anderem zu digitalen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen forscht, hatte die Umfrage federführend mitentwickelt.

"Deutschland braucht ein Gesamtkonzept für den schulischen Bildungsbereich und finanzielle Sofortmaßnahmen, um die Gestaltung von Schule so zu ermöglichen, dass wirklich alle Kinder und Jugendlichen von den schulischen Bildungsangeboten profitieren."

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