Kita-Studie Ärmere Kinder haben deutlich höheres Coronarisiko

Kita-Personal in wirtschaftlich schwierigeren Stadtvierteln sollte bevorzugt geimpft werden, zusätzliche Gruppenteilungen sind sinnvoll: Das sind die Empfehlungen der Corona-Kita-Studie.
»Strikte Kontaktbegrenzungen, feste Zuweisung des pädagogischen Personals«: Kitakinder in Hannover (Archivbild)

»Strikte Kontaktbegrenzungen, feste Zuweisung des pädagogischen Personals«: Kitakinder in Hannover (Archivbild)

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

Je schwieriger der wirtschaftliche Hintergrund von Kindern in Kitas ist, desto größer ist auch das Risiko einer Coronainfektion in der Einrichtung. Erzieherinnen und Erzieher in Kitas mit 60 Prozent und mehr an sozioökonomisch benachteiligten Kindern haben ein doppelt so hohes Ansteckungsrisiko wie in Einrichtungen mit einem niedrigeren Anteil von bis zu zehn Prozent ärmeren Kindern.

Das geht aus dem aktuellen Zwischenbericht der Corona-Kita-Studie  hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Das Deutsche Jugendinstitut und das Robert Koch-Institut haben dafür Infektionsdaten aus Kitas zwischen September 2020 und Juni 2021 ausgewertet. Dabei habe es zwar »insgesamt jeweils nur sehr wenige neue bestätigte Coronafälle pro Woche unter den anwesenden Kindern und Beschäftigten« gegeben, schreiben die Fachleute. Dennoch hätten sie anhand statistischer Modellierungen Merkmale identifiziert, die mit einem erhöhten Auftreten von Covid-19-Infektionen in den Einrichtungen einhergingen.

Zwei Faktoren sind demnach entscheidend für das Infektionsrisiko: Neben der wirtschaftlichen Situation der Kinder und ihrer Familien spielt auch die Kontaktstrategie der jeweiligen Kita eine wichtige Rolle. So habe sich gezeigt, »dass strikte Kontaktbegrenzungen durch die Trennung der Kindergruppen und die feste Zuweisung des pädagogischen Personals zu ihren Gruppen das Infektionsrisiko für Kinder und Beschäftigte reduzierten«, heißt es in der Auswertung.

Kita-Gruppen weiterhin trennen

Kitas, die nach eigenen Angaben ihr Gruppenkonzept hin zu mehr Kontakten zwischen den Kindern öffneten, hätten danach signifikant höhere Infektionsraten gehabt: »Einrichtungen, die hingegen eine strikte Gruppenzuweisung des Personals zu den jeweiligen Gruppen einführten, hatten in der Folge ein nur halb so großes Infektionsrisiko.« Beide Effekte – der sozioökonomische Status und die Kontaktstrategie – wirkten sich den Angaben zufolge in der dritten Welle jeweils stärker aus als in der zweiten. Das sei eine Folge der Alpha-Variante des Virus, die sich seit Januar 2021 ausgebreitet hatte, vermuten die Fachleute.

Angesichts der aktuell dominierenden Delta-Variante empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Kita-Gruppen weiterhin zu trennen, sofern das personell möglich sei. »Zudem sollte das Personal von Kitas in sozial belasteten Quartieren vorrangig geimpft werden und auch priorisiert Zugang zu möglicherweise notwendigen Auffrischungsimpfungen erhalten«, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Kinder aus ärmeren Familien seien besonders auf frühe Förderung in Kitas angewiesen: »Das Personal in den entsprechenden Einrichtungen sollte darum priorisiert geschützt und unterstützt werden, um weitere Kita-Schließungen in einer möglichen vierten Welle zu vermeiden und die sozialen Folgen der Pandemie nicht noch größer werden zu lassen«, sagt Franz Neuberger, einer der Verfasser. Außerdem sei es wichtig, die weitere Entwicklung im Auge zu behalten und gegebenenfalls schnell zu reagieren. (Wöchentlich aktualisierte Zahlen zum Infektionsgeschehen in Kitas gibt es auf dem Corona-Kita-Dashboard, das Sie hier finden .)

him
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