Einschätzung des Schulleitungsverbands Erstklässler leiden unter Folgen von Kita-Schließungen

Die eigenen Bedürfnisse zurückstellen, abwarten, bis man dran ist: Wegen der monatelangen Kita-Schließungen haben die Kinder viel verpasst. Schulen müssen nun mit den Defiziten der Erstklässler kämpfen.
»Eingewöhnung, wie es sonst in der Kita üblich ist«: Erstklässler bei der Einschulung (in Nordrhein-Westfalen)

»Eingewöhnung, wie es sonst in der Kita üblich ist«: Erstklässler bei der Einschulung (in Nordrhein-Westfalen)

Foto: Christopher Neundorf / Kirchner-Media / IMAGO

Monatelang waren die Kitas wegen Corona geschlossen. Die langen Schließungen haben nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Schulleitungsverbands  zu ernsten Problemen bei den diesjährigen Erstklässlern geführt. Dadurch, dass viele Kinder monatelang nur unregelmäßig oder gar nicht in den Kindergarten gegangen seien, seien sie weniger gruppenfähig, sagte die Verbandsvorsitzende Gudrun Wolters-Vogeler der Zeitung »Welt«. 

»Sich einordnen, eigene Bedürfnisse zurückstellen, abwarten, bis man dran ist: Solche Grundkompetenzen werden in Familien weniger vermittelt als in der Kita. Diese Gruppenprozesse sind aber enorm wichtig«, sagte die Schulleiterin.

Schon in normalen Jahren rechne man bei Erstklässlern in der Regel mit einer Spanne von bis zu drei Entwicklungsjahren, sagte Wolters-Vogeler. »Inzwischen sind wir bei mindestens vier Jahren.« Einige Kinder machten erst jetzt erstmals einen Gruppenprozess durch.

»Die Kinder müssen zum Teil eine Eingewöhnung durchlaufen, wie es sonst in der Kita üblich ist, und das unter den Hygienebedingungen von Corona. Dies stellt Schulen vor eine ähnliche Herausforderung wie die Integration von Kindern ohne Schulerfahrung in der Flüchtlingskrise 2015.«

Auch Schülerinnen und Schüler, die vorher schon im Schulbetrieb waren, hätten plötzlich Schwierigkeiten, sich an Regeln zu halten, sagte Wolters-Vogeler: »Wir haben derzeit an vielen Schulen Probleme mit unangepasstem Verhalten. Viele Kinder sind emotional nicht mehr in der Lage anzuschließen, auch die Lernmotivation hat zum Teil nachgelassen.«

Notwendig seien jetzt vor allem Gemeinschaftserlebnisse wie Klassenreisen und Ausflüge, »bei denen sich die Gemeinschaft neu finden kann«. Das heiße, »Erlebnispädagogik statt das reine Pauken von Deutsch, Mathe und Englisch«.

kha/AFP
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