Coronavirus Schulbesuch wird in allen Bundesländern ausgesetzt

Auch Mecklenburg-Vorpommern schließt Schulen und Kitas. Ab spätestens Mittwoch fällt damit der Unterricht in ganz Deutschland aus - und meist auch die Betreuungsmöglichkeit. Der Überblick.
Verwaiste Flure: Wegen des neuartigen Coronavirus gibt es flächendeckende Schulschließungen.

Verwaiste Flure: Wegen des neuartigen Coronavirus gibt es flächendeckende Schulschließungen.

Foto: Marijan Murat/ dpa

Andere Bundesländer hatten es schon verkündet, nun hat auch Mecklenburg-Vorpommern nachgezogen: Schulen und Kitas sind in dem nördlichen Bundesland von Wochenbeginn an geschlossen. Das verkündete Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Rande einer Sondersitzung ihres Kabinetts. Die Landesregierung in Schwerin folgt damit den Entscheidungen der meisten anderen Bundesländer. Der Überblick:

Schließzeiten

Im Saarland, in Bayern, Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz und nun auch Mecklenburg-Vorpommern findet bereits am Montag kein Unterricht mehr statt, auch die Kitas sind dann geschlossen.

In Nordrhein-Westfalen wird ab Montag auch nicht mehr unterrichtet, bis Dienstag können die Schülerinnen und Schüler aber noch in den Schulen betreut werden. Das soll den Eltern Zeit geben, sich um eine Alternative zu kümmern. Auch alle Kitas werden geschlossen.

Sachsen setzt ab Montag zwar die Schulpflicht aus, es gibt auch keinen Unterricht mehr, die Schulen bleiben aber noch offen. Lehrer, Schüler und Eltern sollen auf diese Weise Zeit bekommen, sich auf Schulschließungen vorzubereiten. Den genauen Zeitpunkt will die Landesregierung kommende Woche festlegen.

Auch Hessen setzt die Schulpflicht ab Montag aus und lässt die Schulen vorerst offen. Betreut werden können aber nur Kinder von Eltern in wichtigen Berufen, etwa aus Medizinbranche.

In Berlin machen am Montag als Erstes die Oberstufenzentren zu, alle anderen allgemeinbildenden Schulungen und Kitas folgen am Dienstag.

In Thüringen und Baden-Württemberg schließen die Schulen und Kitas erst am Dienstag.

Brandenburg setzt ab Mittwoch den Unterricht vorerst aus. Der Schulbesuch sei weiter möglich, aber nicht mehr verpflichtend, teilte Ministerpräsident Dietmar Woidke laut der Nachrichtenagentur dpa mit. Auf der Website  des Landesministeriums für Bildung, Jugend und Sport heißt es, dass Lehrkräfte weiter in den Schulen arbeiten, um etwa online "eine Beschulung zu Hause vorzubereiten". Für die Abiturprüfungen können den Angaben zufolge die vorgesehenen Termine oder die Nachschreibetermine genutzt werden. Für Förderschulen würden Lösungen für Betreuungen gesucht.

Notbetreuung

Bayern, das Saarland, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben bereits angekündigt, dass es eine Notbetreuung gibt. Allerdings nur oder vorrangig für Eltern, die in unverzichtbaren Berufen arbeiten, wie Stadtreinigung, Lebensmittelhandel, Polizei oder Gesundheitswesen.

Die Betreuung übernähmen Kitaträger und Schulen, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) aus Niedersachsen. Die Mindeststandards würden aber ausgesetzt. Es bedürfe zum Beispiel keiner Genehmigung, sonst übliche räumliche und personelle Vorgaben gelten ihm zufolge nicht.

Berufstätige Eltern

Wenn Kita oder Schule geschlossen sind, darf ein Elternteil für die Betreuung zu Hause bleiben - zumindest, wenn es keine andere Betreuungsmöglichkeit für die Kinder gibt. Wichtig ist, dass der Arbeitgeber umgehend informiert wird. Oft finden sich im Gespräch zudem einvernehmliche Lösungen wie etwa die Arbeit aus dem Homeoffice, Überstundenabbau oder unbezahlter Urlaub.

Wer nicht arbeitet, erhält in der Regel auch keinen Lohn. Ausnahmen könnten sich aus Paragraf 616 BGB ergeben. Darin ist geregelt, dass Mitarbeiter ihr Gehalt weiter beziehen, wenn sie nicht verhältnismäßig lange ausfallen und für ihr Fehlen selbst nichts können. In vielen Arbeitsverträgen ist diese Regelung aber laut Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Berlin, ausdrücklich ausgeschlossen.

Abitur und Abschlussprüfungen

"Alle Prüfungen finden grundsätzlich statt", sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig, am Donnerstag. Die Bildungsminister der Länder stellen sich aber darauf ein, dass es Nachholtermine geben muss. Für ihr eigenes Bundesland Rheinland-Pfalz verschob Hubig die Abiturprüfungen bereits: Die ab Montag geplanten Prüfungen für das mündliche Abitur würden demnach erst ab dem 23. März stattfinden.

Auch in Schleswig-Holstein werden die demnächst anstehenden Abiturprüfungen pauschal verschoben. Und zwar auf die ohnehin bereits eingeplanten regulären Nachholtermine nach den Osterferien.

Die schwierige Situation solle für die Schülerinnen und Schüler nicht zum Nachteil werden. Alle Bundesländer hätten sich darauf geeinigt, das Abitur der anderen Länder anzuerkennen, wie auch immer es zustande komme, sagte Hamburgs Bildungsminister Ties Rabe am Donnerstag bei der Kultusministerkonferenz.

Situation an den Hochschulen

Der Vorlesungsbeginn an Unis und Fachhochschulen wurde in den meisten Bundesländern verschoben. Auswirkungen auf das Bafög hat das nicht: Studentinnen und Studenten bekommen die Zahlungen weiter, teilte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek am Freitag in Berlin mit. Der entsprechende Erlass gelte auch dann, wenn die Einreisesperre in ein anderes Land den Gang zur Uni dort unmöglich macht.

sun/eth/dpa