Hygiene auf Toiletten Händewaschen in der Schule - nicht immer kinderleicht

Corona vorbeugen? Da gilt vor allem: gut und regelmäßig Händewaschen. Doch auf manchen Schultoiletten ist das gar nicht so einfach.
Gesperrte Toilette (Archiv): Nicht nur in Zeiten von Coronaviren unangenehm

Gesperrte Toilette (Archiv): Nicht nur in Zeiten von Coronaviren unangenehm

Foto: Mathias Hamann

Gute Hygiene an den Schulen könnte beim Umgang mit dem Coronavirus helfen: regelmäßiges Händewaschen der Schülerinnen und Schüler also vor dem Essen und nach den Pausen - und auf den Toiletten natürlich sowieso. Doch das ist oftmals gar nicht so einfach. "Wir haben 600 Kinder bei uns - und für die Jungen und Mädchen gibt es jeweils genau eine geöffnete Toilette", sagt eine Berliner Grundschullehrerin dem SPIEGEL.

Sauberkeit und Hygiene seien an allen Schulen in Berlin ein Dauerthema, sagt die Lehrerin, die anonym bleiben möchte - auch an ihrer Schule in Charlottenburg-Wilmersdorf sei das so. "Es gibt viel zu wenig Seifenspender. Und die, die es gibt, sind immer leer", so die Pädagogin. Das liege auch daran, dass die von der Stadt beauftragte Reinigungsfirma nur zweimal wöchentlich in die Schule komme. Dann würden die Spender zwar nachgefüllt, das reiche aber oft nur für ein paar Stunden.

"Viele Kolleginnen und Kollegen kaufen deshalb Seife und bezahlen das aus der Klassenkasse oder sogar privat", so die Lehrerin. Sie selber habe gerade erst drei Seifenspender besorgt und gebe die den Kindern jeweils zur Toilette mit.

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Doch gleichzeitig, so die Grundschullehrerin, zweifle sie daran, dass wirksamer Virenschutz aktuell überhaupt möglich sei: "Ich habe 22 Kinder in der Klasse, jedes von denen fasst die Türklinke bestimmt 20 Mal am Tag an - die Türen werden aber von der Putzkolonne gar nicht gesäubert." Hinzu käme noch das Risiko durch Endlos-Stoffhandtücher in den Waschräumen: "Die Automaten sind oft defekt, dann trocknen sich alle Kinder tagelang an derselben Stelle die Hände ab."

"Kein warmes Wasser und selten Seife"

Ein Einzelfall? Schultoiletten haben seit jeher eher den Ruf, dass man dort ungestört rauchen oder die Wände vollkritzeln kann, als dass sie ein angenehmer Ort der Hygiene wären. Immer wieder beklagen sich Lehrkräfte und Eltern über den Zustand der Schultoiletten, über zu wenig Seife und fehlende Handtücher. So tauchten im Zusammenhang mit der Diskussion um wirksame Schutzmaßnahmen vor Coronaviren immer wieder Social-Media-Meldungen auf, die das Händewaschen in der Schule thematisieren.

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Im Gespräch mit dem SPIEGEL berichtete eine Berliner Mutter, dass sie zwei Jahre lang mit der Grundschule ihres Sohnes diskutieren musste, bevor dort regelmäßiges Händewaschen zum Standard wurde - und das, obwohl ihr Sohn eine Vorerkrankung hat und deshalb sehr auf Hygiene achten muss. Jetzt endlich gebe es Seifenspender in der Schule: "Mich hat wirklich gewundert, dass das keine Selbstverständlichkeit ist."

Ein 15-jähriger Schüler aus Leipzig, aus gesundheitlichen Gründen ebenfalls auf regelmäßiges Händewaschen angewiesen, musste die Klage über die nicht vorhandenen Handtücher erst im Schülerrat ansprechen, bevor die Schulleitung reagierte. "Unmöglich" findet das seine Mutter, die außerdem bemängelt, "dass warmes Wasser erst nach fünf Minuten Laufenlassen aus dem Hahn kommt".

"Auf die Zeit kommt es nicht an"

Alexander Kekulé ist Virologe und Professor an der Uni Halle-Wittenberg. Die allgemeine Empfehlung, einfach häufiger die Hände zu waschen, hält er für zu unspezifisch. "Viel wichtiger ist, wann man sich die Hände waschen sollte", sagt der Mediziner. Auch die häufig genannten 20 bis 30 Sekunden Mindestdauer sorgten eher für unnötigen Stress und spiegelten eine falsche Gewissheit vor: "Auf die Zeit kommt es nicht an, wenn vollständig gewaschen wird."

Für das vollständige Waschen genüge dabei grundsätzlich kaltes Wasser und Seife, sagt Kekulé. Das Argument des fehlenden warmen Wassers ist aus seiner Sicht keins - zumindest nicht unter medizinischen Aspekten: Viel größere Auswirkungen habe das kalte Wasser womöglich auf die Motivation der Schülerinnen und Schüler, fürchtet der Virologe. "Kaltes Wasser und fehlende Handtücher könnten Schüler vom Händewaschen abhalten", so Kekulé auf SPIEGEL-Anfrage. Und wenn, was er in Schulen öfter sehe, "statt Papierhandtüchern Stoffhandtücher aufgehängt werden, dann sind das Virusschleudern."

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Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

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