Trotz Corona-Pandemie Kultusminister wollen so schnell wie möglich wieder normalen Schulbetrieb

In ihrem Wunsch sind sich die Kultusminister einig: An den Schulen soll es so bald wie möglich wieder normalen Unterricht geben. Während die Länder Tempo machen, kommen aus Berlin allerdings mahnende Worte.
Nicht nur digital Lernen: Die Kultusminister wollen Schüler möglichst schnell wieder in die Schulen holen

Nicht nur digital Lernen: Die Kultusminister wollen Schüler möglichst schnell wieder in die Schulen holen

Foto: Carmen Jaspersen/ picture alliance/dpa

Unterricht nur im Schichtsystem, stark reduziert: Damit soll an Deutschlands Schulen so bald wie möglich Schluss sein. Dieses Versprechen haben die Kultusminister der Länder nun bekräftigt. Im Interesse der Schüler strebe man "so schnell wie möglich eine Wiederaufnahme des schulischen Regelbetriebs an", heißt es in einem gemeinsamen Beschluss . Wie immer verzichteten die Politiker jedoch nicht auf diese Einschränkung: "sofern das Infektionsgeschehen dies zulässt".

Die Coronakrise habe noch einmal deutlich vor Augen geführt, dass Schule viel mehr sei als Unterricht, teilte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Stefanie Hubig, mit: "Unsere Schülerinnen und Schüler haben ein Recht auf Bildung", sagte die SPD-Politikerin.

Dieses Recht könne am besten in einem möglichst normalen Schulbetrieb umgesetzt werden. Konkrete Entscheidungen, wie es wann in den Schulen im neuen Schuljahr weitergeht, trafen die Ministerinen und Minister jedoch nicht. Das regelt jedes Land für sich.

Mehrere Kultusminister hatten schon vor einer Woche große Hoffnungen geschürt, dass spätestens nach den Sommerferien wieder Normalität an den Schulen einkehren soll. An Grundschulen in Sachsen findet bereits Unterricht im gewohnten Klassenverband statt. In Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen soll dies in den kommenden Tagen und Wochen umgesetzt werden - entgegen teils massiver Kritik sowie Mahnungen aus dem Bundesbildungsministerium.

"Die Schulen sollten weiter unbedingt auf den Gesundheitsschutz achten, damit dort verlässlicher Präsenzunterricht angeboten werden kann"

Anja Karliczek, Bundesbildungsministerin

Während ihre Länderkollegen in der Frage der Schulöffnungen signalisieren, dass sie Tempo machen wollen, warnt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek vor einem überhasteten Wiedereinstieg in den normalen Schulbetrieb. "Solange wir noch keinen Impfstoff gegen Covid-19 haben, muss auch an den Schulen weiter allergrößte Vorsicht herrschen, um strukturierten Unterricht anbieten zu können", sagte die CDU-Politikerin dem SPIEGEL.

Es müsse weiter alles getan werden, damit die Schulen nicht zu Infektionsherden würden. Karliczek bezog sich ausdrücklich auf die jüngsten Erkenntnisse des Berliner Virologen Christian Drosten.

Drosten hatte in einer überarbeiteten Fassung seiner Studie zur Infektiosität von Kindern in der Coronakrise an seiner grundlegenden Aussage festgehalten: Es gebe keine Hinweise darauf, dass Kinder im Bezug auf Sars-CoV-2 nicht genauso ansteckend seien wie Erwachsene. Eine aufwendige Studie aus den Niederlanden spricht indes dafür, dass Kinder das Virus nur selten weitergeben.

"Die Schulen sollten weiter unbedingt auf den Gesundheitsschutz achten, damit dort verlässlicher Präsenzunterricht angeboten werden kann - selbst wenn dies im Wechsel zu einem digitalen Unterricht geschieht", sagte Karliczek. Sie selbst darf in der Frage der Schulöffnungen keine Entscheidungen treffen, weil Bildung in Deutschland Ländersache ist.

Die nächste KMK-Sitzung ist für den 18. Juni geplant. Die Kultusminister wollen dazu Bildungsforscher einladen, um deren Expertise zur Planung und Gestaltung des kommenden Schuljahres einzuholen.

fok/dpa/AFP
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