Coronavirus Schleswig-Holstein will Abiturprüfungen absagen

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin plant wegen der Corona-Pandemie eine Absage der Abiturprüfungen. Auch andere Schulabschlüsse sollen nicht abgenommen werden.
Schülerinnen und Schüler bei einer Abiturprüfung (Archiv)

Schülerinnen und Schüler bei einer Abiturprüfung (Archiv)

Foto: Armin Weigel/ dpa

Die Abschlussprüfungen sollen in diesem Jahr ausfallen: Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) plant wegen der Corona-Pandemie eine Absage der Abiturprüfungen in ihrem Bundesland. Sie werde dem Kabinett am Mittwoch einen entsprechenden Beschlussvorschlag vorlegen, sagte Prien.

Auch die Prüfungen zum ersten allgemeinbildenden und zum mittleren Schulabschluss sollen in diesem Schuljahr nicht abgenommen werden.

"In der derzeitigen Situation und der besonderen Herausforderung nicht nur für unser Schulsystem, sondern auch jeden Einzelnen von uns, halte ich diese Entscheidung für geboten", sagte Prien am Dienstag.

Abschlusszeugnisse auf Basis bisheriger Noten

Mitte März haben die Schulen zu gemacht, wann und wie der Unterricht wieder aufgenommen werden könne, sei noch nicht absehbar. "Seit zwei Wochen beraten wir uns, wie wir in diesem Jahr faire und gerechte Abschlussprüfungen unter den gegebenen Umständen ermöglichen können." Die Abiturprüfungen müssten direkt nach den Osterferien beginnen. "Dies erscheint derzeit unrealistisch."

Die Schüler im Norden sollen nach Priens Plänen zum Ende des Schuljahres stattdessen Abschlusszeugnisse auf Basis bisheriger Noten erhalten.

Beratungen mit den Länderkollegen

Prien will sich mit den anderen Bundesländern abstimmen und in der Kultusministerkonferenz (KMK) vorschlagen, keine Abiturprüfungen mehr abzunehmen.

Von der KMK hieß es noch in der vergangenen Woche, es sei nicht auszuschließen, dass Abiprüfungen ganz ausfallen müssten. Zunächst ging es aber nur um Terminverschiebungen, allerdings nicht in allen Bundesländern. Die Abiturientinnen und Abiturienten in Hessen sind schon mitten in der Prüfungszeit. In Rheinland-Pfalz läuft bereits das mündliche Abitur, die schriftlichen Prüfungen fanden schon im Januar statt.

Die Bildungsministerinnen und -minister der Länder hatten sich aber bereits vor zwei Wochen geeinigt, dass sie das Abitur von Schleswig-Holstein bis Bayern gegenseitig anerkennen werden - egal, wie es zustande kommt. Das einhellige Credo: Die Coronakrise soll nicht zu einem Nachteil für die Schülerinnen und Schüler werden.

SPD will möglichst eine bundesweite Lösung

Die oppositionelle SPD fordert, möglichst eine Lösung im Gleichklang mit den anderen Bundesländern zu finden. Entscheidend sei, dass es Rechtssicherheit für die Schülerinnen und Schüler gebe.

Der Deutsche Philologenverband bezeichnete in den Zeitungen des RND ein reines "Anerkennungsabitur" im Notfall als praktikable Lösung. Sollten die Abschlussprüfungen undurchführbar sein, gebe es beim Abitur "die großartige Situation, dass zwei Drittel der Abiturnote ja bereits durch die Leistungen in den Kursen erbracht sind", sagte die Bundesvorsitzende des Lehrerverbands, Susanne Lin-Klitzing. Daher sei auch ein Abitur ohne Prüfungen machbar.

Zwei Hamburger Schüler hatten angesichts der Pandemie bereits eine Petition zur bundesweiten Absage der Abiturprüfungen gestartet. Die beim Internetportal "change.org" veröffentlichte Petition haben bis Dienstagnachmittag rund 76.000 Unterstützer unterzeichnet.

Kritik aus Sachsen

Kritik an Schleswig-Holsteins Vorstoß kommt aus Sachsen: "Wer ohne Abstimmung mit den anderen Bundesländern vorprescht, gräbt dem Bildungsföderalismus ein Grab und macht die Kultusministerkonferenz überflüssig", sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Jegliche Bemühungen, sich unter den Bundesländern abzustimmen, um den Schülern keine Nachteile entstehen zu lassen, "werden durch dieses Vorgehen ad Absurdum geführt".

Auch in schwierigen Zeiten könne die gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse nicht bedeuten, "dass jeder macht, was er will". Deshalb habe er in einem Schreiben an die KMK-Präsidentin Stefanie Hubig (SPD) gemahnt, gegenüber der Öffentlichkeit beruhigend zu agieren und aktionistisches Vorgehen nicht zuzulassen. "Wenn jedes Land für sich allein entscheidet, drohen den Schülern erhebliche Nachteile."

Anmerkung der Redaktion: In früheren Version hieß es unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa, die schleswig-holsteinische SPD habe sich gegen einen Ausfall der Prüfungen ausgesprochen. Tatsächlich fordert die Partei jedoch lediglich eine einheitliche Lösung mit den anderen Bundesländern. Ein missverständliches Zitat haben wir deshalb ebenso entfernt.

bbr/cop/sun/dpa/AFP