Corona-Maßnahmen nicht umsetzbar Schulleiter in NRW schlagen zwei Wochen nach Schulstart Alarm

Klassenräume lassen sich nicht lüften, Reinigungskräfte fehlen: Schulleiter in Nordrhein-Westfalen haben einen Brandbrief an Ministerpräsident Laschet geschickt. Die Corona-Regeln seien realitätsfern.
Schule in Münster (am 12. August)

Schule in Münster (am 12. August)

Foto:

Guido Kirchner / dpa

Gerade einmal zwei Wochen sind Nordrhein-Westfalens Schülerinnen und Schüler nach den Sommerferien zurück in den Bildungseinrichtungen - nun haben die Schulleiter des Landes ihre Landesregierung scharf kritisiert. Sie bemängeln, dass sich das Konzept zur Eindämmung des Coronavirus in den Schulen nicht umsetzen lasse. Die Schulleitungsvereinigung (SLV NRW) wirft dem zuständigen Ministerium in einem offenen Brief, der dem SPIEGEL vorliegt, vor, dass die Politik des Landes die tatsächlichen Rahmenbedingungen der Schulen nicht berücksichtige. Zuerst hatte der SWR berichtet. 

Die SLV NRW beklagt in dem Schreiben, dass sich die oberste Schulbehörde der eigenen Verantwortlichkeit entledige und die gesamte Verantwortung an Gesundheitsämter, Schulträger und Schulleitungen übergebe.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

NRW hatte zum Schulbeginn strikte Maßnahmen vorgeschrieben: So müssen Schüler an weiterführenden Schulen in dem Bundesland nicht nur in den Pausen, sondern auch im Unterricht eine Maske tragen. Zusätzlich sollen Lehrkräfte regelmäßig stoßlüften, der Mindestabstand gilt im gesamten Schulgebäude.

Zugeschweißte Fenster, fehlende Reinigungskräfte

Die Direktoren kritisieren in dem Brandbrief, dass diese Regeln an vielen Schulen realitätsfern seien. So berichteten einige Schulleiter von zugeschweißten Fenstern, die das Lüften unmöglich machten, bei anderen fehlten Reinigungskräfte oder Hausmeister.

Zusätzlich sei es unmöglich, Lehrer und Schüler in immer gleichen Gruppen zusammenzubringen. So sieht es das Pandemiekonzept eigentlich vor. Doch wenn eine Lehrkraft wegen Krankheit ausfällt, müsse diese nun einmal vertreten werden - im Zweifel von einer Kollegin, die sonst nicht in der Klasse unterrichtet.

Die SLV NRW spricht deshalb von einem "Feldversuch". "Wir hoffen, dass dieser Brief Konsequenzen nach sich zieht und die Öffentlichkeit erfährt, wie marode unser Bildungssystem ohnehin ist", sagte Harald Willert, Vorsitzender der Schulleitungsvereinigung NRW, dem SWR, "was jetzt endlich durch Corona sichtbar wird."

lmd
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.