Kristin Haug

SPIEGEL-Bildungsnewsletter Sind wir alle schon durchseucht?

Liebe Leserinnen, liebe Leser, guten Morgen,

wie ist die Omikron-Lage an den Schulen? Warum durchsuchen französische Ermittler ein jüdisches Internat? Und was macht ein Schüler aus Kassel mit 10.000 Ameisen im Keller? Unser Bildungsnewsletter.

Jetzt ist auch schon alles egal, oder? Früher oder später werden wir uns ohnehin alle mit Omikron anstecken. #Durchseuchung lautet der entsprechende Hashtag auf Twitter, unter dem Eltern und Lehrkräfte gerade ihren Frust ablassen  – darüber, dass viele Bundesländer an der Präsenzpflicht festhalten.

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Denn auch die Omikron-Variante des Coronavirus kann bei ungeimpften Kindern und Jugendlichen schwere Symptome hervorrufen. Das zeigen die Hospitalisierungszahlen bei den unter Fünfjährigen, die in vielen Ländern angestiegen sind .

Corona-Langzeitfolgen kommen bei Kindern und Jugendlichen zwar seltener vor als bei Erwachsenen. Doch nach wie vor fehlt es an aussagekräftigen Daten darüber, wie viele von ihnen nach einer Coronainfektion tatsächlich dauerhaft krank bleiben .

DER SPIEGEL

Dennoch spricht vieles dafür, die Präsenzpflicht nicht auszusetzen. Homeschooling kann (sich) nicht jede Familie leisten. Der geordnete Alltag, sofern er denn noch geordnet abläuft , ist für viele Kinder wichtig – setzt man die Präsenzpflicht aus, kann Bildung nicht mehr gerecht sein. Das findet auch Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (»Das ist los«).

Sie sehen: Corona ist immer noch Thema Nummer eins in der Bildungslandschaft. Ich würde mich daher jetzt gern in längere Winter-, Oster- und Sommerferien verabschieden. Und wenn ich wieder da bin, ist Corona vorbei. Deal?

Kristin Haug
für das Bildungsteam des SPIEGEL

Feedback & Anregungen? 

Unterricht an einer Grundschule in Dresden

Unterricht an einer Grundschule in Dresden

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Das ist los

1.1. Schülerinnen und Schüler fühlen sich in der Pandemie übersehen

Unter dem Hashtag #wirwerdenlaut protestieren Jugendliche in den sozialen Netzwerken gegen das Coronamanagement an Deutschlands Schulen. Sie fühlen sich ignoriert, übersehen und von den Verantwortlichen im Stich gelassen. Meine Kollegin Miriam Olbrisch hat mit den Schülersprecherinnen Johanna Börgermann, 19, und Laura Körner, 18, gesprochen . Sie fordern unter anderem regelmäßige PCR-Testungen für alle Schülerinnen und Schüler, eine Bildungs- statt einer Präsenzpflicht und eine bessere digitale Ausstattung von Schulen.

1.2. Frida hält viele Coronaregeln für Quatsch

In der »Süddeutschen Zeitung« hat die neunjährige Frida aus Mainz auf den Punkt gebracht, was sie so richtig nervt: »Eigentlich finde ich Coronaregeln wichtig. Aber viele sind auch Quatsch: Wir müssen draußen frühstücken und trotzdem viel Abstand halten. Mittags müssen wir bei offenen Fenstern die Jacken ausziehen – die Betreuerinnen dürfen ihre anlassen. In der Hausaufgabenbetreuung sind die Klassen geteilt, sonst nicht. Die Seife ist ständig leer. Und zwei Kinder wurden angeschrien, weil sie sich auf dem Pausenhof ohne Maske umarmt haben. Fies!«

Proteste in Bayern: Eltern fordern das Aussetzen der Präsenzpflicht

Proteste in Bayern: Eltern fordern das Aussetzen der Präsenzpflicht

Foto: Wolfgang Maria Weber / imago images/Wolfgang Maria Weber

2. Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger will weniger Bürokratie für die Schulen

Bettina Stark-Watzinger (FDP) leitet seit wenigen Wochen das Bundesbildungsministerium. Sie hält nichts davon, die Präsenzpflicht abzuschaffen. Im SPIEGEL-Interview sagt sie: »Kinder aus sozial benachteiligten Familien haben deutlich mehr unter der Pandemie gelitten als Kinder aus bessergestellten Haushalten. Daraus sollten wir lernen. Die Präsenzpflicht ist ein sehr hohes Gut. Wir müssen alles tun, um die Schulen offenzuhalten.« Möglich soll dies durch Luftfilter werden, die man mindestens dort braucht, »wo man schlecht lüften kann«. Stark-Watzinger will dafür sowie für die Digitalisierung an Schulen bürokratische Hürden abbauen. »Ich will, dass die einzelne Schule selbstständiger wird: ein eigenes Budget, weniger Bürokratie, mehr Autonomie.« 

Und sonst noch?

Eingang des Internats in dem Ort Bussières

Eingang des Internats in dem Ort Bussières

Foto: MARYAM EL HAMOUCHI / AFP

1. Missbrauch an jüdischem Internat in Frankreich

In einem ultraorthodoxen jüdischen Internat in Bussières, in der Nähe von Paris, ermittelt die Justiz gegen mehrere Mitarbeitende der Einrichtung. Sie sollen den Schülerinnen und Schülern Gewalt angetan und sie vernachlässigt haben .

Französische Medien berichten, dass die Kinder und Jugendlichen, die vor allem aus Israel und den USA stammen sollen, mutmaßlich unter inakzeptablen hygienischen Bedingungen untergebracht wurden. Den Schülern wurden offenbar auch die Pässe und Handys abgenommen.

Ein ehemaliger Schüler sagte dem Sender »i24 News«, er habe sich gefühlt wie in einer Art Sekte . Es habe eine Atmosphäre »psychischer Gewalt« gegeben. »Als ich ankam, nahmen sie mir als Erstes meinen Pass ab. Es war strengstens verboten, die Schule zu verlassen.« Bereits im vergangenen Sommer soll ein Schüler die Flucht ergriffen und Hilfe in der US-Botschaft gesucht haben. Inzwischen sollen 42 Schülerinnen und Schüler in einem anderen Internat untergebracht oder zurück bei ihren Eltern sein.

2. Verfassungsschutz bestätigt Verbindung zwischen »Reichsbürgern« und illegaler Schule in Erlangen

Auf dem Gelände der Königsmühle in der Nähe des Erlanger Stadtteils Eltersdorf wurden mehrere Monate lang 15 Kinder an einer illegalen Schule unterrichtet. Die Regierung von Mittelfranken schloss die Schule Ende Januar. Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz hat nun Verbindungen zwischen Beteiligten der illegalen Schule und der »Reichsbürger«-Szene bestätigt, wie der Bayerische Rundfunk berichtet .

Gut zu wissen

Mit Insekten kann man Geld verdienen: Niclas Ochonski beherbergt im Keller seines Elternhauses in Kassel ungefähr 10.000 Ameisen. Seit drei Jahren verkauft der 17 Jahre alte Schüler die Insekten im Internet. Ochonski bietet neben Ameisenkolonien aus fast allen Kontinenten auch Terrarien, Nester und Arenen an, in denen sich die Ameisen mit Futter versorgen und Abfälle entsorgen können. Das Zubehör stellt der Schüler größtenteils im 3D-Drucker her. »Dadurch habe ich mehr Kontrolle über meine Produkte und kann auf individuelle Kundenwünsche besser eingehen«, zitiert ihn die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« .

Mit mehreren Hundert Bestellungen machte Ochonski im Jahr 2020 demnach einen Umsatz von mehr als 6000 Euro. Die teuerste Ameise, die er bislang verkaufte, war die Myrmecia pyriformis, auch bekannt unter dem Namen Bulldoggenameise. Ochonski sagt, er habe 1500 Euro für das Exemplar erhalten.

Zahl der Woche

8500 Euro  gibt der Staat im Schnitt für die Ausbildung von Schülerinnen und Schülern an öffentlichen Schulen aus. Berlin investierte mit 12.300 Euro pro Schüler am meisten, Nordrhein-Westfalen mit 7500 am wenigsten.

Am 21. Februar kommt der nächste Newsletter.

Ideen, Anregungen, Feedback? Wir freuen uns über Post an bildung@spiegel.de .

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