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Geplante Haushaltskürzungen Tausende Stipendien deutscher Organisationen vor dem Aus

Das Bundeskabinett hat Haushaltskürzungen beschlossen, betroffen sind davon auch Förderprogramme bei international tätigen Kultur- und Wissenschaftsorganisationen wie dem Goethe-Institut. Sie warnen vor den Folgen.
aus DER SPIEGEL 29/2022
»Nicht mehr oder nur in sehr geringem Umfang realisierbar«: Deutschkurs des Goethe-Instituts für zugewanderte Medizinerinnen und Mediziner

»Nicht mehr oder nur in sehr geringem Umfang realisierbar«: Deutschkurs des Goethe-Instituts für zugewanderte Medizinerinnen und Mediziner

Foto: Patrick Seeger/ picture alliance / dpa

Die vom Auswärtigen Amt geplanten Haushaltskürzungen bedrohen Tausende Stipendien und Förderprogramme bei international tätigen Kultur- und Wissenschaftsorganisationen. So muss sich etwa das Goethe-Institut 2022 auf ein Minus von mindestens 17 Millionen Euro einstellen.

»Die Höhe, die aktuell im Raum steht, würde die Mittler der Auswärtigen Kulturpolitik überproportional stark treffen«, heißt es in einer internen Analyse des Goethe-Instituts, die dem SPIEGEL vorliegt: Die Auswirkungen etwa auf das Programm zur Fachkräfteeinwanderung seien »gravierend«, viele Angebote »in diesem Jahr nicht mehr oder nur in sehr geringem Umfang realisierbar«.

Aus: DER SPIEGEL 29/2022
Foto:

Titelillustration: Maren Amani für den SPIEGEL

Keiner da, der sich kümmert

Die düsteren Prognosen von Wirtschaftsexperten tat man über Jahre als überzogen ab. Nun ist der Personalmangel da – und trifft Deutschland mit Wucht. Gesucht werden nicht nur Menschen mit Spitzenqualifikationen, sondern auch mit ganz alltäglichen Berufen. Ohne sie droht dem Land der Kollaps.

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Demnach stellen die geplanten Kürzungen die sprachliche und kulturelle Qualifizierung von bis zu 45.000 Fachkräften in den kommenden drei Jahren infrage. Auch Fortbildungsstipendien für bis zu 4500 Lehrkräfte weltweit müssten der Analyse zufolge »umgehend gestoppt werden«, ebenso wie 6000 Veranstaltungen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen.

Internationale Kulturpolitik aus Eigeninteresse

»Wir sind fest davon überzeugt, dass gerade in dieser Zeit der internationalen Krisen und neuen Blockbildungen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik eine entscheidende Rolle zukommt«, stellt das Goethe-Institut fest. Deutschland sei wie wenige andere Länder politisch, ökonomisch und kulturell in globale Zusammenhänge eingebettet und müsse auch im Eigeninteresse internationale Verantwortung übernehmen. Das gehe aber nur mit einer ausreichenden Finanzierung.

Zuvor hatte bereits der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vor dem Wegfall von rund 6000 Stipendien für Studierende und Nachwuchswissenschaftler gewarnt. In diesem Jahr muss der DAAD laut Haushaltsbeschluss des Kabinetts mit neun Millionen Euro weniger auskommen, im kommenden Jahr sollten weitere vier Millionen Euro wegfallen. Die Kürzungen »werden unsere Fördermöglichkeiten für Hochschulen, Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für Jahre deutlich reduzieren«, sagte Präsident Joybrato Mukherjee.

Auch die Alexander von Humboldt-Stiftung, die den internationalen Austausch von Spitzenforscherinnen und -forschern fördert, müsste bei den angestrebten Kürzungen im Vergleich zum Vorjahr erheblich streichen und könnte knapp ein Drittel ihrer Stipendien nicht mehr vergeben. Derzeit bereitet die Stiftung außerdem die komplette Einstellung mehrerer Programme vor: Betroffen sind unter anderem Forschungspreise für Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie deutsch-afrikanische Kooperationsprojekte.

him
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