Bewegungsarmut Schulkinder sitzen zwölf Stunden am Tag

Zwei Drittel aller Schülerinnen und Schüler bewegen sich zu wenig. Durch die Coronakrise ist das Problem laut DAK-Umfrage noch größer geworden – besonders bei sozial benachteiligten Kindern.
Sitzende Schülerinnen und Schüler: Weniger als 90 Minuten Bewegung am Tag gelten als bewegungsarm

Sitzende Schülerinnen und Schüler: Weniger als 90 Minuten Bewegung am Tag gelten als bewegungsarm

Foto: Photo_Concepts / Image Source / Getty Images

Der Bewegungsmangel bei Schulkindern hat sich in der Coronakrise weiter verschärft. Insgesamt zwei Drittel aller Schülerinnen und Schüler bewegen sich zu wenig, berichtete die Krankenkasse DAK-Gesundheit am Montag in Hamburg.

Im Schnitt verbringen Kinder und Jugendliche der Klassenstufen fünf bis zehn demnach mehr als zwölf Stunden täglich im Sitzen. Mehr als jedes dritte Schulkind trieb in der Coronazeit nach eigenen Aussagen zudem weniger Sport.

Laut den nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung sollten sich Kinder und Jugendliche täglich mindestens 90 Minuten moderat bis intensiv bewegen. Davon können 60 Minuten Alltagsaktivitäten sein wie etwa der Fußweg zur Schule oder das Treppensteigen im Schulgebäude. Die restlichen Minuten sollten auf intensive sportliche Aktivitäten entfallen. Weniger als 90 Minuten Bewegung am Tag gelten als bewegungsarm.

»Die Pandemie hat die Bewegungsarmut nochmals verschärft«

Aktuell bewegen sich nur 32 Prozent aller befragten Jungen und Mädchen ausreichend. Im ersten Jahr der Pandemie lag der Anteil mit 29 Prozent noch darunter, weil viele Sportmöglichkeiten durch Lockdowns wegfielen.

Vor der Pandemie hatten sich aber auch nur 35 Prozent regelmäßig bewegt. Dieser Anteil schrumpfte in der Pandemie nun nochmals – vor allem bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien. Nur 22 Prozent dieser Kinder haben aktuell ausreichend Bewegung, vor Corona waren es demnach 27 Prozent.

»Die Pandemie hat die Bewegungsarmut nochmals verschärft«, erklärte Studienleiter Reiner Hanewinkel vom gemeinnützigen Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord). »Es haben sich besonders diejenigen Schulkinder weniger bewegt, die ohnehin schon früher nicht aktiv genug waren.«

Für den Präventionsradar 2022 befragte das IFT-Nord im Schuljahr 2021/2022 im Auftrag der DAK-Gesundheit rund 18.000 Schulkinder in 13 Bundesländern zu ihrem Gesundheitsverhalten.

Informationen zu Studie

Der Präventionsradar ist eine schulbasierte Fragebogenstudie zur Kinder- und Jugendgesundheit in Deutschland, die seit dem Schuljahr 2016/2017 jährlich gemacht wird. Schulen mit Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 5 bis 10 aus 13 Bundesländern (mit Ausnahme von Bayern, Hamburg und dem Saarland) beteiligen sich jährlich an den Befragungen. Der Befragungszeitraum war November 2021 bis Februar 2022. Bei Sozialstatus unterscheidet die Studie nach dem subjektiven Sozialstatus (niedrig, mittel oder hoch), also danach, wie sich die Befragten selbst einschätzen.

Der Vorstandschef der DAK, Andreas Storm, nannte den Bewegungsmangel der Jugend alarmierend. »Denn er ist für die verschiedensten Erkrankungen mitverantwortlich.« Der Mangel sei ein massives Gesundheitsrisiko, das oft unterschätzt werde, aber auch verändert werden könne. »Wir müssen es uns zur Aufgabe machen, Freude an Bewegung wieder zu befördern und langes Sitzen zu verhindern.«

Die Kinder nennen unterschiedliche Gründe für ihre Sportabstinenz. Die meisten Jungen und Mädchen sagen, dass sie in ihrer Freizeit lieber etwas anderes machen (73 Prozent) oder Sport und Schule sich nicht gut vereinbaren lassen (72 Prozent). 63 Prozent haben keine Lust auf Sport, und mehr als die Hälfte der Befragten spielt lieber auf einer Spielkonsole oder auf dem PC. Sozial benachteiligte Schulkinder geben häufiger als andere an, keine geeignete Ausrüstung zu haben oder niemanden, der mitmachen will.

sun/AFP/dpa
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