Studie für sieben Städte Kinder in ärmeren Stadtteilen haben weniger Spielfläche

Werden Kinder in ärmeren Stadtvierteln benachteiligt? Eine Studie für sieben deutsche Großstädte kommt zu einem ambivalenten Ergebnis: Bildungs- und Kulturangebote sind fair verteilt, bei Gesundheit und Umwelt hapert es.
Kinderspielplatz in Berlin (Archivbild)

Kinderspielplatz in Berlin (Archivbild)

Foto: Jˆrg Carstensen/ picture alliance / dpa

Kinder in den ärmeren Stadtteilen von deutschen Großstädten haben pro Person weniger Spielplatzfläche zur Verfügung als ihre Altersgenossen in privilegierten Vierteln. Vor allem in Westdeutschland sind sie gleichzeitig wesentlich häufiger Lärmbelastung ausgesetzt als Kinder in wohlhabenderen Gebieten.

Das geht aus einer noch nicht veröffentlichten Untersuchung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) für das Deutsche Kinderhilfswerk und die Heinrich-Böll-Stiftung hervor. Sie liegt dem SPIEGEL vor.

Für die Studie mit dem Titel »Eine Stadt – getrennte Welten?« hatten die Forscherinnen und Forscher Daten aus Berlin, Dortmund, Erfurt, Hamburg, Leipzig, Nürnberg und Saarbrücken ausgewertet.

Dabei überprüften sie, ob Kinder in ärmeren und reicheren Stadtteilen mit vergleichbar guter Infrastruktur aufwachsen. »Kinderarmut ist zumeist kein Kennzeichen einzelner Stadtteile, sondern erstreckt sich oft über benachbarte Quartiere«, heißt es in der Auswertung.

Das Forschungsteam verglich in der Studie den Zugang zu Kulturangeboten wie etwa Bibliotheken, Spielplatz- und Naturflächen, Verkehrssicherheit und Lärmbelastung. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Armut konzentriert sich oft in bestimmten Gebieten: Bis auf Nürnberg gibt es in allen untersuchten Städten Quartiere, in denen mehr als die Hälfte der Kinder unter 15 Jahren von Hartz IV lebt. Die höchste Armutskonzentration fand sich in Stadtteilen in Hamburg (bis zu 79 Prozent der Kinder im Sozialleistungsbezug) und Berlin (77 Prozent).

  • Außer in Hamburg hatten in allen untersuchten Städten Kinder in den Stadtteilen mit der niedrigsten Hartz-IV-Quote deutlich mehr Spielplatzfläche pro Kopf zur Verfügung als Kinder in den ärmsten Gebieten. In Berlin ist die Lücke am größten, hier waren es gut fünf Quadratmeter Spielplatzfläche pro Kind in den ärmsten Gebieten und mehr als 18 Quadratmeter in den reichsten.

  • »Die größte Benachteiligung von Kindern in segregierten Stadtteilen liegt in der erhöhten Umweltbelastung«, schreiben die Forscherinnen und Forscher. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen West und Ost: In den westdeutschen Großstädten gebe es in und bei den ärmeren Stadtteilen oft ausgedehnte Industrie- und Gewerbeflächen mit einer deutlich erhöhten Lärmbelastung, zum Teil auch nachts. »In Erfurt, Leipzig und Ost-Berlin ballt sich Kinderarmut dagegen in den in Plattenbauweise errichteten Großwohnsiedlungen«, heißt es in der Studie. Erhöhte Industrie- oder Lärmbelastungen gebe es hier nicht.

Die WZB-Forschenden untersuchten auch, ob sich ärmere und reichere Stadtteile bei der Ausstattung mit wichtigen Einrichtungen unterscheiden. Bei weiterführenden Schulen, den Praxen von Kinderärztinnen und -ärzten und Kultureinrichtungen lasse sich jedoch in keiner der sieben Städte ein Zusammenhang mit der sozialen Lage nachweisen, heißt es in der Studie.

Die Studie

Durchgeführt wurde die Studie von Katja Salomo und Marcel Helbig, die sich am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) mit Bildungsverläufen und Fragen sozialer Ungleichheit beschäftigen. Auftraggeber der Studie waren das Deutsche Kinderhilfswerk und die Heinrich-Böll-Stiftung.

So sei etwa die Verteilung von Kinderarztpraxen »in allen untersuchten Städten sehr homogen«. Im Gegensatz dazu gebe es jedoch massive Unterschiede bei Kinder- und Jugendtherapeutinnen und -therapeuten: »Sie ballen sich oftmals im Zentrum der Städte und sind darüber hinaus eher in den sozial privilegierteren Stadtteilen zu finden.«

him/dpa
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