Studie mit Achtklässlern in Deutschland Unsicher im Netz

Passwörter ändern? Och, nö. Unbekannte E-Mail-Anhänge öffnen? Wieso nicht? Jugendliche in Deutschland nehmen es mit der Sicherheit im Internet nicht so genau, zeigt eine neue Studie.
Ein Schüler in Niedersachsen arbeitet im Unterricht an einem Tablet-Computer (Symbolbild).

Ein Schüler in Niedersachsen arbeitet im Unterricht an einem Tablet-Computer (Symbolbild).

Foto: Carmen Jaspersen/ dpa

Wer sich im Internet bewegt, sollte regelmäßig seine Passwörter ändern – vom E-Mail-Konto, aber auch in Sozialen Netzwerken, bei Facebook, Twitter oder Instagram. Wer eine Nachricht von einem unbekannten Absender erhält, sollte Anhänge nicht einfach ungeprüft öffnen. Ist doch selbstverständlich, könnte man meinen.

Vielen Jugendliche in Deutschland sind solche simplen Sicherheitsvorkehrungen anscheinend trotzdem gänzlich unbekannt – obwohl nahezu alle täglich mit dem Smartphone hantieren oder im Netz surfen. Das ergab eine Sonderauswertung der internationalen Computerstudie ICILS 2018, die dem SPIEGEL vorliegt.

Nur 39 Prozent der befragten Achtklässler erfuhren demnach im Unterricht, dass es wichtig sei, Onlinepasswörter zu ändern. Deutschland bildet damit das Schlusslicht aller elf Länder, die für die Auswertung berücksichtigt wurden, darunter Kasachstan, Uruguay und Chile. Weniger als ein Viertel waren in der Schule darauf hingewiesen worden, bei Absendern von E-Mails genau hinzuschauen, bevor sie Anhänge öffneten. Immerhin gut sechs von zehn Jugendlichen in Deutschland hatten in der Schule darüber diskutiert, wie sie sich verantwortungsvoll in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram verhalten. Im internationalen Durchschnitt traf dies allerdings auf 75 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler zu.

Unbekanntes vorausgesetzt

"Wir vermuten, dass Lehrkräfte dieses Wissen bei ihren Schülern häufig voraussetzen – und deshalb im Unterricht nicht explizit darauf eingehen", sagt Dirk Hastedt. Der Mathematiker koordiniert die internationale Forschergruppe IEA mit Sitz in Amsterdam, die neben ICILS noch zahlreiche weitere Bildungsstudien durchführt. "Dabei hat unsere Studie wieder gezeigt, dass Kinder und Jugendliche zwar viel Zeit mit ihren Geräten verbringen, mit diesen aber nicht unbedingt kompetent umgehen können." Viele beschränkten sich auf einfache Funktionen wie Chatten oder Videos anschauen.

Gleichzeitig bewegten sich auch viele Lehrkräfte mitunter unsicher im Netz, sagt Hastedt. "Ihnen fällt es erst recht schwer, Computer- und Internetwissen weiterzugeben." Wichtig sei deshalb, diese Kenntnisse in der Lehrerausbildung fest zu verankern und etablierten Lehrkräften Fortbildungen anzubieten. Hilfreich sei auch, wenn technisch versierte Pädagogen ihre Kollegen unterstützten. "Funktioniert die Zusammenarbeit im Kollegium, profitieren alle", sagt Hastedt. Auch das lasse sich aus der ICILS-Studie ableiten.

In vielen Bundesländern setzt der Computer- und Informatikunterricht erst in der Mittelstufe ein, oft auch nur als Wahlfach. Eine Ausnahme bildet etwa Mecklenburg-Vorpommern. Ab diesem Schuljahr belegen schon Fünftklässler dort das neue Unterrichtsfach "Informatik und Medienbildung", wo neben Internetsicherheit auch erste Schritte im Programmieren vermittelt werden.

Wie gut Jugendliche mit Computern und dem Internet umgehen können, hängt in Deutschland auffällig stark vom Elternhaus ab – ein Trend, der sich etwa auch im Lesen und Rechnen immer wieder abzeichnet.

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Die internationale Computerstudie ICILS fand zum zweiten Mal statt, die Wissenschaftler befragten dazu mehr als 46.000 Achtklässlerinnen und Achtklässler in 13 Ländern. Wie schon in der ersten Ausgabe 2013 schnitten Deutschlands Schüler im weltweiten Vergleich unterdurchschnittlich ab. Ein dritter Durchlauf ist für das Jahr 2023 geplant.

Den deutschen Teil der Studie verantwortet die Schulpädagogik-Professorin Birgit Eickelmann von der Universität Paderborn. Hierzulande nahmen 3665 Jugendliche an 193 Schulen im ganzen Land an der Untersuchung teil.

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