Nein, keine Grundschule in Dresden will Kinder "zwangsislamisieren"

Und nein, es gibt auch kein Schweinefleisch-Verbot für Pausenbrote.
Foto: dpa; Montage: bento

Dieser Beitrag wurde am 28.01.2019 auf bento.de veröffentlicht.

Seit einigen Tagen wird ein Brief von einer Grundschule in Dresden auf Facebook geteilt. Darin geht es um eine Islam-Themenwoche - und um Regeln, die die Kinder nun beachten sollen. Unter anderem wird darin ein Schweinefleisch-Verbot für das Pausenbrot erteilt. 

Die Empörung ist groß. Aber der Brief ist: ein Fake.

Jemand hatte den Brief gefälscht und dann abfotografiert. Das Foto geht seit dem Wochenende durchs Netz, viele Nutzerinnen und Nutzer diskutierten auf Facebook den vermeintlichen Skandal. 

Achtung, Fake: Debunked

Immer wieder gehen Falschmeldungen durchs Netz. Oft soll mit ihnen gezielt Stimmung gemacht werden. bento versucht in der Reihe "Debunked" regelmäßig, Falschmeldungen, Lügen und Fakes zu entlarven.

Der Brief soll von einer Grundschule in Dresden stammen. Im gefälschten Schreiben heißt es, vier Imame – also islamische Prediger – würden eine Woche lang in der betreffenden Schule zu Gast sein, "um Ihr Kind den Koran und den Islam näher zu bringen" (Rechtschreibfehler aus Original übernommen). 

Dann folgen Regeln: 

  • "Bitte geben Sie Ihrem Kind an diesem Tag kein Schweinefleisch als Frühstück mit." 
  • "Der Besuch in die Moschee ist Mitte Februar geplant. Dies ist eine Pflichtveranstaltung für die Kinder."
  • "Den Koran können Sie ab sofort in unserer Schule für 25,00 € erwerben. Ein Kauf ist empfehlenswert für die Themenwoche."

Eltern empörten sich daraufhin im Netz, ihren Kindern drohe nun eine "Zwangsislamisierung". Einige Verbreitungen des Brief-Fotos erzielten Hunderte Kommentare und wurden mehrere tausend Mal weitergeleitet.

Die Aufregung ist allerdings unnötig: Nichts an dem Brief ist wahr. Der Dresdner Blog Flurfunk  hatte zuerst auf den Fake aufmerksam gemacht, auch Mimikama  berichtete später darüber. 

Das entlarvt den Grundschul-Brief als Fake:

  • Das Sächsische Kultusministerium hat besorgten Nutzerinnen und Nutzern auf Twitter geantwortet – und bei allen Dresdner Grundschulen nachgefragt. Das Ministerium stellt klar: 
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  • Das Schreiben ist aber auch anhand simpler Standards leicht zu entlarven: Im Anschreiben sind Rechtschreibfehler – zum Beispiel ist einmal von "Imanen" statt "Imamen" die Rede – die so deutlich bei einem Elternbrief sicher nicht durchgehen würden.
  • Die angebliche Grundschulleiterin unterschreibt zwar, ihr Name steht aber nicht noch mal in Druckschrift darunter. Bei einem Anschreiben sonst üblich. Auch fehlt ein offizieller Briefkopf.
  • Darüber hinaus haben sich Twitter-Nutzer die Mühe gemacht, den geschwärzten Teil näher zu untersuchen. Der Zoom verrät: Unter dem übermalten Teil steht keine normale Adresse, sondern nur Buchstabensalat.

Allerdings: Selbst wenn es einen Brief dieser Art wirklich gäbe, müsste er kein Skandal sein. Für eine Grundschule mag der Besuch einer Moschee zu früh sein – in höheren Jahrengängen gibt es aber durchaus Schulveranstaltungen, bei denen Schülerinnen und Schüler jüdische, christliche und auch islamische Gemeinden in Deutschland besuchen. 

Bei solchen Treffen geht es nicht darum, die Jugendlichen umzuerziehen – sondern darum, Toleranz und Verständnis herzustellen. Es ist das, was unsere demokratische Gesellschaft ausmacht. Einen Koran muss dabei natürlich niemand kaufen, und auch Salami-Verbote sind uns bislang nicht bekannt – schließlich zerfällt kein Imam zu Staub, weil in der dritten Reihe ein Schüler eine Wurststulle dabei hat.

Immerhin entlarven die Formulierungen des gefälschten Briefes sehr schön, wovor sich viele fürchten: Davor, eine Kultur aufgezwungen zu bekommen. Seine Kinder an eine "fremde" Welt zu verlieren.  Er zeigt, wie viele Unsicherheiten im Umgang miteinander herrschen. Und wie viele Vorurteile. Und das ist die eigentlich schlechte Nachricht. 

So kannst du Fakes besser durchschauen:

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