Dokumentarfilm "Elternschule" Nominierung für Grimmepreis löst erneute Debatte aus

Der Film "Elternschule" löste eine Kontroverse über Erziehung und ihre Grenzen aus. Nun könnte die Dokumentation den Grimme-Preis bekommen - das entfacht die Kritik erneut.

Kaum eine Dokumentation hat in den vergangenen Jahren so viele Diskussionen ausgelöst wie "Elternschule", ein Film über eine Klinik für chronisch gestresste Kinder und ihre Eltern. Im September 2018 erschien der Trailer , im Oktober startete der Film von Jörg Adolph und Ralf Bücheler in den deutschen Programmkinos. Nun ist er für den Grimme-Preis in der Kategorie "Info und Kultur" nominiert – und sofort nimmt die Debatte wieder Fahrt auf.

Der Film verherrliche "erzieherische Gewalt", zeige "Machtmissbrauch", stelle Kinder und ihre Eltern bloß. So lautete die Kritik damals wie heute.

Unter den Hashtags #keinepreisefuergewalt und #keinpreisfuergewalt protestieren Eltern und Pädagogen in den sozialen Netzwerken nun gegen das Votum der Grimme-Jury. Der niedersächsische Landesverband des Deutschen Kinderschutzbundes schreibt auf seiner Homepage : "Psychische und physische Gewalt gegen Kinder ist nicht preiswürdig." Eine vermeintliche "neutrale Beobachtung" unterstütze die Legitimierung gewaltvoller Behandlungsmethoden und untergrabe Bemühungen für Kinderrechte und Kinderschutz in Deutschland.

Der Film zeigt den Alltag einer psychosomatischen Kinderklinik in Gelsenkirchen. Eltern suchen diese Einrichtung auf, wenn sie mit ihren Kindern nicht mehr zurechtkommen, wenn diese gewalttätig werden, wenn ein Zusammenleben als Familie nicht mehr möglich ist.

Die Folgen: Demonstrationen - und eine Anzeige

Das Grimme-Institut nahm nachträglich noch einmal Stellung zu der Nominierung und auch zu der Kritik aus dem Netz: "Bei diesem rein beobachtenden Dokumentarfilm sind die Zuschauerinnen und Zuschauer völlig auf sich allein gestellt, sie müssen selbst eine Haltung zu den dargestellten Erziehungsmethoden und deren Verfechtern finden", schreiben die Verantwortlichen. Dies könne ein "anstrengender und schmerzhafter Prozess sein, aber es ist eben auch eine bemerkenswerte Leistung der Filmemacher, genau so einen Prozess auszulösen."

Mehr als 20.000 Menschen forderten in einer Onlinepetition, der Film dürfe nicht mehr gezeigt werden. Die Folgen für die Einrichtung und deren Angestellte waren schwer: Demonstranten protestierten vor der Klinik, ein Arzt erstattete auf Grundlage des Films Anzeige: Verdacht auf Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Der Grimme-Preis wird Ende März zum 56. Mal verliehen.

olb
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