Prämie für Elterntaxis gescheitert "Die Kinder setzen sich in den ersten Bus, der kommt"

Schulbusse sollten entlastet, das Infektionsrisiko verringert werden: Der Landkreis Peine wollte eine Elterntaxi-Prämie einführen. Dabei sind diese höchst umstritten. Nun ist die Idee gescheitert, erklärt ein Sprecher.
Ein Interview von Kristin Haug
Tür auf und ab nach Hause: Kinder steigen nach der Schule in ein Auto ein (Archiv)

Tür auf und ab nach Hause: Kinder steigen nach der Schule in ein Auto ein (Archiv)

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Ralf Hirschberger/ dpa

SPIEGEL: Der Landkreis Peine hat Eltern eine Pauschale von 30 Cent pro Kilometer angeboten, wenn sie ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren. Warum?

Fabian Laaß: Wir sind zwar der flächenmäßig der kleinste Landkreis in Niedersachsen, aber hier wohnen mehr als 130.000 Menschen. Die Schulbusse sind voll. Was bringen also Abstands- und Hygieneregeln in den Klassenzimmern, wenn alle Schüler nach dem Unterricht im Bus dicht gedrängt sitzen?

SPIEGEL: Aber Elterntaxis werden doch vielfach kritisiert, weil sie die Straßen vor den Schulen verstopfen und das Unfallrisiko somit steigt.

Laaß: Das ist richtig. Wir wollten Eltern, die Angst haben, ihre Kinder könnten sich in den vollen Schulbussen anstecken, einen Anreiz geben, mit dem Auto zu fahren. Wir haben auch immer wieder betont, dass die Eltern nicht direkt vor der Schule parken sollen, sondern zwei- bis dreihundert Meter entfernt.

SPIEGEL: Wie wurde das Angebot denn angenommen?

Laaß: Einige Eltern haben sich dafür interessiert. Aber es gab auch ziemlich viel Kritik. Wir haben unter anderem leider nicht bedacht, dass es in Peine zurzeit viele Baustellen und Umleitungen gibt, die teilweise an den Schulen vorbeiführen. Der Verkehr ist wirklich immens. Auch die Umweltbelastung steigt natürlich, wenn mehr Autos unterwegs sind.

SPIEGEL: Wie geht es jetzt weiter?

Laaß: Wir wollten die Prämie eigentlich einen Monat lang testen, aber brechen das Experiment nun ab. Jetzt überlegen wir mit Schulen, Eltern und den Beförderungsunternehmen, welche anderen Möglichkeiten es gibt.

SPIEGEL: Vielleicht können Sie mehr Busse einsetzen?

Laaß: Die Beförderungsunternehmen könnten zwar mehr Busse bekommen, aber es gibt keine Busfahrer. Und selbst wenn man die hätte und mehr Busse fahren würden: Die Kinder setzen sich unserer Erfahrung nach alle in den ersten Bus, der kommt. Nachfolgende Busse bleiben meist leer.

SPIEGEL: Aber der Unterricht muss doch nicht für alle Schulen und alle Klassen zur selben Zeit beginnen?

Laaß: Wenn die Schulen den Unterrichtsbeginn ändern, geht das nur langfristig, dann müssen ja auch alle Belegungspläne für die Klassenzimmer verändert werden - und zum Schluss dann ja auch wieder die Bustaktung.

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