Umstrittene französische Kaderschmiede Premierminister Castex weiht neue Eliteschule ein

Die französische Verwaltungshochschule Ena galt als Ausbildungsstätte der Reichen und Mächtigen, auch Präsident Macron zählt zu den Absolventen. Jetzt wurde das Nachfolgeinstitut eröffnet – mit großen Versprechungen.
Premierminister Castex bei der Eröffnung des »Institut National du Service Public« in Straßburg

Premierminister Castex bei der Eröffnung des »Institut National du Service Public« in Straßburg

Foto: FREDERICK FLORIN / AFP

Die prestigeträchtige französische Verwaltungs-Kaderschmiede École Nationale d’Administration (Ena) in Straßburg ist offiziell Geschichte. Frankreichs Premierminister Jean Castex weihte am Freitag in denselben Räumlichkeiten den Nachfolger der in die Kritik geratenen Eliteinstitution ein: das »Institut National du Service Public« (Nationales Institut des öffentlichen Dienstes). Es soll künftig die Ausbildung von Frankreichs Verwaltungsnachwuchs sicherstellen.

Die neue Einrichtung soll nach dem Willen von Paris offener für Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen sein. Die Ena hatte in der Kritik gestanden, nur einer kleinen, reichen Elite vorbehalten zu sein, die sich dank der exklusiven Ausbildung dann Spitzenpositionen in der Verwaltung habe sichern können. Zahlreiche Präsidenten, darunter auch Amtsinhaber Emmanuel Macron, sind »Enarchen«, wie sich die Absolventinnen und Absolventen der Ena nennen. Macron hatte die Auflösung der Hochschule angekündigt, als viele Franzosen im Zuge der »Gelbwesten«-Proteste auch gegen vermeintlich abgehobene Eliten auf die Straße gingen.

Die neue Ausbildung soll nun einen stärkeren Fokus auf praktische Erfahrungen legen. Junge Absolventen sollen zudem nicht mehr direkt nach der Ausbildung mit einer Führungsposition starten. Die Ena war 1945 direkt nach dem Zweiten Weltkrieg unter General Charles de Gaulle ins Leben gerufen worden.

olb/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.