Vorgaben zum Energiesparen Hochschule Koblenz schränkt als eine der Ersten den Lehrbetrieb ein

»Uns gefällt das auch nicht«: Die Hochschule Koblenz will die Energiesparvorgaben mit drei Wochen Onlinelehre umsetzen. Ausbaden müssten das die Studierenden, kritisiert die Interessenvertretung.
Mit Handschuhen und Mütze zu Hause (Symbolbild): »Das macht uns große Sorgen, da Studierende ohnehin schon finanziell belastet sind«

Mit Handschuhen und Mütze zu Hause (Symbolbild): »Das macht uns große Sorgen, da Studierende ohnehin schon finanziell belastet sind«

Foto: Thomas Trutschel / photothek / IMAGO

An der Hochschule Koblenz tritt ein, was die Hochschulrektorenkonferenz und die Kultusminister eigentlich vermeiden wollten: »Um die von öffentlichen Einrichtungen erwarteten 15 Prozent Energieeinsparung zu erreichen, werden wir in der Zeit vom 4. Dezember 2022 bis 8. Januar 2023 die Vorlesungen als reine Onlinevorlesungen anbieten«, heißt es auf der Website der Hochschule .

Hochschulen würden die Einsparungen auf Kosten der Studierenden durchsetzen, kritisiert Carlotta Eklöh vom Vorstand des Freien Zusammenschlusses von Student*innenschaften (FZS). Schließlich müssten sie bei der Onlinelehre zu Hause mehr heizen. »Das macht uns große Sorgen, da Studierende ohnehin schon finanziell belastet sind«, sagt Eklöh dem SPIEGEL.

Auch in anderen Städten haben Hochschulen beschlossen, den Präsenzbetrieb einzuschränken. Die Universität Erfurt schließt etwa bis Ende 2022 an Wochenenden die Bibliothek und will um den Jahreswechsel die Lehre digital abhalten, berichtet der MDR . Andernorts sind zumindest tageweise Onlineveranstaltungen vorgesehen.

Eklöh fordert, dass die Hochschulen auch bei digitalen Veranstaltungen Räume zur Verfügung stellen müssten, damit diejenigen, die sich das Heizen zu Hause nicht leisten könnten, einen warmen Ort zum Lernen hätten. Problematisch sei zudem, wenn durch Gebäudeschließungen Räume für studentische Initiativen wegfielen.

Die Hochschule Koblenz hält ein paar Räume für solche Fälle vor, ist auf der Website zu lesen. Auch ein Grundangebot an günstiger Verpflegung soll es auf dem Campus weiter geben.

Alle müssten wegen des Krieges ihren Beitrag leisten

»Uns gefällt das auch nicht«, sagt die Pressesprecherin der Hochschule über die zeitweisen Einschränkungen. Anders seien die Vorgaben des Landes, 15 Prozent der Energie einzusparen, aber nicht zu erreichen gewesen.

Der Politik mache sie deshalb keinen Vorwurf, so Pressesprecherin Christiane Gandner: Alle müssten wegen des Krieges ihren Beitrag leisten, um Energie einzusparen.

Widersprüchlich sind die Vorgaben aber trotzdem. Schließlich hatten sich die Kultusminister wiederholt für einen regulären Wissenschaftsbetrieb ausgesprochen: »In den Hochschulen hat Lehre in Präsenz für uns oberste Priorität«, sagte Karin Prien, die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, im Oktober . Dafür bekämen die Einrichtungen vonseiten der Länder auch finanzielle Unterstützung, um gestiegene Energiekosten zu stemmen. Gleichzeitig gibt es aber die Vorgabe, einen bestimmten Prozentsatz Energie zu sparen.

sun
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