Erfurt Kein Kita-Karneval an Rosenmontag

Weil die Erzieher fürchten, dass die Kinder überfordert sein könnten, haben sie Verkleidungen zu Karneval für unerwünscht erklärt. Es geht um kulturelle Sensibilität – und eine schwierige gesellschaftliche Debatte.

Eine Erfurter Kita will nicht, dass die Kinder am Rosenmontag und Karnevalsdienstag verkleidet in die Einrichtung kommen. "Mitgebrachte Faschingskostüme bleiben an beiden Tagen im Fach des Kindes", kündigt das Kita-Team in einem Schreiben an die Eltern ein klares Vorgehen an: "Bitte verkleiden Sie Ihr Kind am Rosenmontag und Faschingsdienstag nicht."

Begründet wird das faktische Verbot damit, dass sich die Kita, die vom Studierendenwerk Thüringen betrieben wird, einer kultursensiblen Pädagogik verschrieben habe. "Für Kinder ist Fasching ein Anliegen, sich in jemanden zu verwandeln, den sie als Held sehen oder eine Person, die sie selbst gerne sein möchten", heißt es in dem Elternbrief. Man erkenne beim Verkleiden an, "dass man Stereotype braucht, um die Komplexität der Welt zu reduzieren".

Gleichzeitig wolle man die Kinder aber auch "sensibilisieren für Stereotype, die für die Betroffenen schmerzhaft, zum Teil sogar entwürdigend sein können", so die Erzieher. Sie verweisen ausdrücklich darauf, dass es trotzdem eine Faschingsfeier mit Verkleidungen gibt. Die fand am vergangenen Wochenende in der Uni-Sporthalle statt – als gemeinsames Kostümfest der Kita und des Universitätssportvereins.

Stereotype und Überforderung vermeiden

Diese gemeinsame Veranstaltung gebe es seit zehn Jahren, sagt Rebecca Heuschkel, Sprecherin des Studierendenwerks, dem SPIEGEL. Alle Familien in der Kita seien dazu eingeladen worden, "eine weitere Feier am Rosenmontag oder Faschingsdienstag ist deshalb nicht vorgesehen". Diese Entscheidung sei "gemeinsam von den Eltern, der Kita-Leitung und dem pädagogischen Team" getroffen worden. Bisher gebe es dazu nur die Rückmeldung zweier Elternteile, "die aus terminlichen Gründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnten und sich daher über eine Veranstaltung am Rosenmontag oder Faschingsdienstag gefreut hätten".

Im vergangenen Jahr hatte es in der Erfurter Kita einem Bericht des Portals "Thüringen24.de"  zufolge ein "Indianerfest" gegeben, das wegen der verwendeten Stereotype im Nachhinein in die Kritik geraten war. Das Fest sei im Rahmen einer internationalen Woche gefeiert worden, erklärte das Studierendenwerk. Die damals geäußerten Bedenken wurden jetzt aufgegriffen.

Einerseits, so Rebecca Heuschkel, gehe es im Rahmen des pädagogischen Konzepts darum, Stereotype zu vermeiden. Andererseits "kann eine Kostümierung Angst und Überforderung bei den Kindern auslösen. Vor allem für Kleinkinder ist es befremdlich, wenn sie ihr Gegenüber nicht mehr erkennen können."

Im Übrigen könne von einem "Kostümverbot" keine Rede sein, betont Heuschkel. Denn das Verkleiden in der Kita sei trotzdem ein Dauerthema: Dass sich Kinder kostümieren, sei grundsätzlich an jedem Tag möglich, und es gebe dafür auch extra eine Verkleidungsecke in der Einrichtung.

him
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