Hilferuf der Lehrenden Erziehungsgewerkschaft beklagt wachsenden Antisemitismus an Schulen

Viele Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich laut Erziehungsgewerkschaft GEW beim Kampf gegen Antisemitismus alleingelassen. Das Problem werde größer, ethnische und religiöse Konflikte überforderten die Schulen.
Protest gegen Antisemitismus in Berlin: »Viele leben in ihren Blasen und können ihre Vorurteile weiter pflegen«

Protest gegen Antisemitismus in Berlin: »Viele leben in ihren Blasen und können ihre Vorurteile weiter pflegen«

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Bernd Elmenthaler / imago images

Steinewürfe auf Synagogen, auf den Straßen skandierter Judenhass: Mit der Zuspitzung des Nahostkonflikts bricht Antisemitismus in Deutschland wieder stärker aus. Wenige Tage nach dieser Eskalation beklagt die Erziehungsgewerkschaft GEW einen wachsenden Antisemitismus auch an Schulen in Deutschland.

»Der Antisemitismus an Schulen hat zugenommen. Er war zwar nie verschwunden, aber die Themen Holocaust und jüdisches Leben in Deutschland sind für die Jugend nicht mehr so präsent«, sagte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Früher hätten die Schülerinnen und Schüler noch häufiger mit Zeitzeugen sprechen können, heutzutage sei das Thema Holocaust bei der Schülerschaft verblasst, sagte Hoffmann. Hinzu kämen ethnische und religiöse Konflikte, »die die Schulen überfordern«.

Flächendeckende Meldepflicht?

Wie groß das Problem von Antisemitismus an Schulen in Deutschland genau ist, lässt sich schwer fassen. Eine Studie  kam 2020 jedoch zum Ergebnis, dass sich das Problem verfestigt habe. »Du Jude« gehöre mittlerweile zu den häufigsten »Beleidigungen« auf deutschen Schulhöfen, jüdische Schülerinnen und Schülern würden regelmäßig von Mitschülern angegriffen.

Erst seit wenigen Jahren haben einige Bundesländer wie Baden-Württemberg oder Berlin eine Meldepflicht für antisemitische Vorfälle. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, setzt sich für eine entsprechende Pflicht bundesweit ein – und hatte in der Vergangenheit auch bessere Kenntnisse von Lehrerinnen und Lehrern gefordert. Unter anderem der unabhängige Expertenkreis Antisemitismus hatte in einem Bericht für die Bundesregierung davon gesprochen , dass besonders Jugendliche aus islamisch geprägten Herkunftskulturen durch antisemitische Gewalttaten auffielen.

Hoffmann forderte ein »behördliches, aber unbürokratisches und schnelles Hilfsangebot für die Bekämpfung von Antisemitismus an Schulen«. Aktuell fühlten sich viele Lehrkräfte mit dem Problem des Antisemitismus alleingelassen. Hinzu komme: Durch die sozialen Medien sei der Ton in den Schulen rauer geworden. »Viele leben in ihren Blasen und können ihre Vorurteile weiter pflegen, ohne dass die Schulen das mitbekommen«, sagte Hoffmann.

apr/AFP
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