EU-Bildungsbericht Digitale Ausstattung an deutschen Schulen unter EU-Durchschnitt

Digitalausstattung: mangelhaft. Das attestiert der EU-Bildungsbericht den deutschen Schulen. Auch bei den Digitalkompetenzen schneiden die Schülerinnen und Schüler hierzulande schlecht ab.
Neuntklässler in Baden-Württemberg: Oft mangele es den Schülern an einfachsten IT-Kenntnissen, heißt es in dem Bericht

Neuntklässler in Baden-Württemberg: Oft mangele es den Schülern an einfachsten IT-Kenntnissen, heißt es in dem Bericht

Foto: Marijan Murat / picture alliance/dpa

Bei der digitalen Ausstattung liegen deutsche Schulen unter dem EU-Durchschnitt. Besonders drastisch sei die Lage an den Grundschulen von Klasse eins bis vier, heißt es im neuen EU-Bildungsbericht , den die Europäische Kommission am Donnerstag vorstellte. Im Schuljahr 2017/2018 besuchten demnach nur neun Prozent der Kinder in Deutschland eine "gut digital ausgestattete und vernetzte Schule" – das sind 26 Prozentpunkte weniger als der EU-Durchschnitt.

Insgesamt hätten drei Viertel der deutschen Schülerinnen und Schüler Zugang zu digitalen Lernressourcen (64 Prozent offline und 73 Prozent online), aber 9 Prozent haben keinen Zugang zum Schulinternet. Die meisten Lehrer (90 Prozent) verwenden Notebooks im Unterricht, zwei Drittel ihre privaten Geräte.

Eine Sonderauswertung der im September veröffentlichten Pisa-Ergebnisse kam zu einem ähnlich ernüchternden Befund. Demnach hatten zum Zeitpunkt der Pisa-Erhebung 2018 in Deutschland nur 33 Prozent der Schüler Zugang zu einer Onlinelernplattform; im OECD-Schnitt waren es mehr als 54 Prozent. Deutschland landete damit in der Schlussgruppe. In Singapur, einigen chinesischen Metropolen oder Dänemark hatten schon 2018 den Angaben zufolge mehr als 90 Prozent der Schüler Zugang zu Lernplattformen.

Mangel an einfachsten IT-Kenntnissen

Auch bei der Bedienung schneiden die Schülerinnen und Schüler hierzulande schlecht ab. Oft mangele es an einfachsten IT-Kenntnissen, heißt es in dem Bericht. Unterdurchschnittliche Kenntnisse bei grundlegenden IT-Anwendungen seien in Deutschland bei 33,2 Prozent der Schülerschaft zu beobachten.

"Nur ein sehr geringer Anteil der Jugendlichen (1,9 Prozent) erreicht hier die Leistungsspitze. Das ist besorgniserregend", sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek zu den Ergebnissen. Deutschland liege in dem Punkt zwar knapp über den EU-Mittelwerten. "Doch Mittelmaß darf nicht unser Anspruch sein", so Karliczek. Schlechter ist es um die Kompetenzen etwa in Frankreich (43,5 Prozent unterdurchschnittlich) und Italien (62,7 Prozent) bestellt.

In Bezug auf die Coronakrise stellte der Bericht fest, dass nur ein Drittel der deutschen Schulen digital gut auf die Schließung der Schulen im März vorbereitet war. 35 Prozent der Lehrkräfte standen während des Lockdowns sehr regelmäßig mit allen ihren Schülerinnen und Schülern in Kontakt. Etwa zehn Prozent der Pädagogen hatten laut Bericht hingegen sehr wenig oder gar keinen Kontakt.

sun/dpa