Wegen Corona FDP warnt vor psychischer Belastung für Studierende und Azubis

Soziale Isolation, unsichere Finanzlage, Zukunftsängste: Die psychische Situation von Studierenden werde zu wenig beachtet, findet die FDP. Die Bundesregierung solle auch ermitteln, wie stark die Belastung für Azubis ist.
Studierende und Azubis seien von Corona besonders betroffen, sagt die FDP (Symbolbild)

Studierende und Azubis seien von Corona besonders betroffen, sagt die FDP (Symbolbild)

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Werden die gesundheitlichen und insbesondere die psychischen Folgen der Pandemie für Studierende übersehen? Das fürchtet der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg. »Unter der sozialen Isolation, der unsicheren Studienfinanzierung und großen Umbrüchen auf dem Arbeitsmarkt leiden Studierende mit psychischen Erkrankungen besonders«, sagte Brandenburg der Nachrichtenagentur AFP.

Er forderte die Bundesregierung auf, die »psychische Gesundheit junger Menschen in Ausbildung und Studium endlich wissenschaftlich untersuchen zu lassen«. Das Bundesbildungsministerium hatte sich zuvor in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Brandenburg geäußert. Es verwies auf die regelmäßigen Sozialerhebungen des Deutschen Studentenwerks, denen zufolge der Anteil an Studierenden mit psychischen Problemen steigt.

In der Erhebung aus dem Jahr 2012 hätten drei Prozent der Befragten angegeben, eine psychische Beeinträchtigung zu haben. Im Jahr 2016 seien es bereits sieben Prozent gewesen. In der Corona-spezifischen Sonderbefragung 2020 waren es der Sozialerhebung zufolge sogar zehn Prozent.

»Bei aller Fokussierung auf Corona-Inzidenzwerte darf die Bundesregierung diese gesundheitlichen Folgen nicht länger ignorieren«, forderte der FDP-Politiker. »Der persönliche Rückhalt der eigenen Peergroup lässt sich nicht dauerhaft durch Videokonferenzen ersetzen.« Die Hochschulen bräuchten »endlich eine verlässliche Öffnungsperspektive, die wieder schrittweise soziale Kontakte ermöglicht«.

In der Anfrage an das Bundesbildungsministerium hatte sich Brandenburg auch nach Erkenntnissen zu psychischen Belastungen von Auszubildenden erkundigt. Das Ministerium antwortete, dass die Bundesregierung dazu keine Daten habe. Der FDP-Politiker sieht hier Nachholbedarf: »Dass der Bundesregierung zu psychischen Erkrankungen bei Auszubildenden nicht einmal Daten vorliegen, offenbart ein schreckliches Desinteresse.«

him/AFP