Reaktion auf Studie Familienministerin weist Kritik an Kita-Qualität zurück

Zu wenig Personal, zu große Gruppen: Eine Bertelsmann-Studie beurteilt die Kita-Betreuung als "nicht kindgerecht". Familienministerin Giffey entgegnet, die Qualität lasse sich nicht nur am Personalschlüssel festmachen.
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey: "Millionen Kinder gehen gern in ihre Kita und werden dort gut betreut und gefördert"

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey: "Millionen Kinder gehen gern in ihre Kita und werden dort gut betreut und gefördert"

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bildgehege / imago images/Bildgehege

"Es ist nicht richtig, derart gravierende Zweifel an einer kindgerechten Betreuung in den Kitas zu säen": Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat die Kritik einer Bertelsmann-Studie zur Kita-Qualität zurückgewiesen. In den Kitas leisteten jeden Tag Erzieherinnen und Erzieher hervorragende und kindgerechte Arbeit, erklärte die SPD-Politikerin. "Diese lässt sich nicht nur am Betreuungsschlüssel festmachen."

Die Bertelsmann-Stiftung hatte in der Analyse kritisiert, dass Kitas wegen zu schlechter Personalschlüssel und zu großer Gruppen in der Mehrheit der Einrichtungen ihren Bildungsauftrag nicht oder nur eingeschränkt umsetzen könnten. Eine zusätzliche Befragung von pädagogischen Fachkräften bestätigte die Ergebnisse der Studie.

"Millionen Kinder gehen gern in ihre Kita und werden dort gut betreut und gefördert", sagte Giffey. Sie verwies zudem auf die rund 5,5 Milliarden Euro, die den Ländern über das sogenannte Gute-Kita-Gesetz für Qualitätsverbesserungen und weniger Gebühren zur Verfügung gestellt werden. "11 von 16 Bundesländern setzen auf die weitere Verbesserung des Personalschlüssels - und das zeigt bereits Wirkung", erklärte sie.

Verbesserungen "im Schneckentempo"

Das Deutsche Kinderhilfswerk kritisierte hingegen, bei der Verbesserung des Personalschlüssels gehe es "nur im Schneckentempo voran". Nötig seien mehr finanzielle Mittel und bundeseinheitliche Mindeststandards in der Qualität. Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, forderte für den weiteren Kitaausbau auch Bundesmittel über 2022 hinaus. Die Linke im Bundestag forderte ein Sofortprogramm für mehr Kitapersonal.

Auch die Gewerkschaften beklagten die Personalnot in den Kitas. Die Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Elke Hannack, forderte eine "Fachkräfteoffensive von Bund, Ländern und Kommunen". Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mahnte "einen Qualitätsschub" an. Die Verdi-Vorsitzende Christine Behle verwies darauf, dass die Bildung kleinerer Gruppen und die Personalausfälle wegen der Corona-Pandemie aktuell zu einem noch größeren Fachkräftebedarf führten.

Der Paritätische Gesamtverband forderte eine Aufwertung des Erzieherberufs. Kitas seien "keine Massenverwahranstalten, sondern Orte frühkindlicher Bildung". Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnte davor, dass in Kitas mit zu wenig Personal Entwicklungsschwächen häufig zu spät erkannt würden.

sun/dpa/AFP
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