Wende an den Gymnasien Baden-Württemberg will neues Modell für neunjährige Gymnasialzeit erarbeiten
Abiturientinnen und Abiturienten im April in Baden-Württemberg
Foto: Silas Stein / dpaFast alle alten Bundesländer sind zur neunjährigen Gymnasialzeit zurückgekehrt – nun zieht Baden-Württemberg nach. Das Bundesland will ein neues Modell für G9 erarbeiten. Das geht aus einem Beschluss der grün-schwarzen Regierungskoalition vom Dienstag hervor, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Die Landesregierung ist demnach offen für ein neues G9.
»Wir werden jetzt keine Schnellschüsse machen oder einfach zum G9 der Neunzigerjahre zurückkehren. Wir werden eine Lösung erarbeiten, die den Anforderungen unserer Zeit gerecht wird und die Empfehlungen des Bürgerforums aufgreift«, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in Stuttgart.
Am Montag hatte ein Bürgerforum zur Zukunft des Gymnasiums empfohlen, zu einem neunjährigen Gymnasium in Baden-Württemberg zurückzukehren.
Derzeit ist in Baden-Württemberg das achtjährige Gymnasium Standard. Es war einst eingeführt worden, um die Schüler international wettbewerbsfähiger zu machen. G9 gibt es nur noch als Modellprojekt an 44 staatlichen Schulen und an einigen Privatschulen.
Über eine Rückkehr zu G9 war seit Langem diskutiert und gestritten worden, Grün-Schwarz hat im Koalitionsvertrag eigentlich vereinbart, keine Strukturdebatten führen zu wollen. Dennoch zeigte sich die Landesregierung unter dem Druck der Debatte erstmals Mitte Juni offen für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium.
Neben dem Bürgerforum will eine Elterninitiative die Rückkehr zu G9 erzwingen. Für einen Volksantrag hatten die Initiatorinnen mehr als 100.000 Unterschriften gesammelt und an den Landtag übergeben. Mit dem Antrag muss sich das Parlament voraussichtlich im kommenden Jahr befassen.