Ganztagsschule für Grundschüler ab 2026 Welche Bundesländer am schlechtesten vorbereitet sind

Mehrere Bundesländer hinken deutlich hinterher: Damit 2026 der Ganztagsanspruch für Grundschulkinder umgesetzt werden kann, sind noch große Anstrengungen nötig. Das zeigt eine neue Studie. Vor allem Fachkräfte fehlen.
Bochumer Schülerinnen und Schüler in der Ganztagsbetreuung (Archivbild)

Bochumer Schülerinnen und Schüler in der Ganztagsbetreuung (Archivbild)

Foto: Roland Weihrauch/ DPA

600.000 zusätzliche Betreuungsplätze, dazu 35.000 zusätzliche Vollzeitstellen bis 2029: Das ist der bundesweite Ausbaubedarf, wenn ab 2026 für Grundschulkinder schrittweise der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz eingeführt wird. Die Zahlen stammen aus einer neuen Studie , die gemeinsam vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) und der TU Dortmund erstellt wurde.

Damit sei »der zusätzliche Ausbaubedarf geringer als bislang angenommen«, schreiben die Forscherinnen und Forscher. Denn »zuletzt besuchten bereits über 1,6 Millionen Grundschulkinder ein Ganztagsangebot. Das bedeutet, dass drei von vier der benötigten Plätze aktuell bereits vorhanden sind«.

Von der Zahl der 35.000 genannten Vollzeitstellen dürfe man sich allerdings nicht täuschen lassen, benötigt würden rund 57.000 pädagogische Betreuerinnen und Betreuer, heißt es in der Studie. Der tatsächliche Fachkräftebedarf sei deutlich größer, weil von einem hohen Teilzeitanteil auszugehen sei, sagt Christiane Meiner-Teubner, eine der Autorinnen der Untersuchung. Und: Für die Kitas müssten noch einmal weitere 138.000 Personen als Fachkräfte gewonnen werden.

Nachholbedarf im Westen

Zwischen den Bundesländern gibt es allerdings riesige Unterschiede beim Ausbaubedarf. Kritisch sei die Situation vor allem in den westdeutschen Flächenländern, wo noch 30 bis 40 Prozent der Plätze geschaffen werden müssten, heißt es in der Studie.

»Vor allem in Nordrhein-Westfalen und Bayern werden noch deutliche Anstrengungen notwendig sein, um ausreichend qualifiziertes Personal zu finden, damit der vollständige Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz im Grundschulalter ab dem Schuljahr 2029/30 erfüllt werden kann«, sagt Thomas Rauschenbach, wissenschaftlicher Leiter des Forschungsverbunds. In den beiden bevölkerungsreichsten Ländern fehlten noch 7500 beziehungsweise 7000 Vollzeitstellen.

In Thüringen dagegen werde bis 2030 überhaupt kein zusätzlicher Bedarf erwartet; in den anderen ostdeutschen Flächenländern bestehe nur noch geringer Personalbedarf. »Hier ist das Angebot bereits gut ausgebaut, und die Kinderzahlen gehen teilweise in wenigen Jahren zurück«, erklärten die Fachleute. Auch in Hamburg fehle nur noch ein kleiner Teil der Plätze.

Neue Plätze für 4,6 Milliarden

Der insgesamt geringere Bedarf führe dazu, dass auch »die anfallenden Kosten geringer sein werden als bislang angenommen«, teilten die Forscherinnen und Forscher mit. »Bundesweit wird nun von Investitionskosten zur Schaffung neuer Plätze von rund 4,6 Milliarden Euro ausgegangen.« Außerdem rechnen die Studienautoren für das Schuljahr 2029/30 mit zusätzlichen Betriebskosten von maximal 2,6 Milliarden Euro. Die höchsten Kosten entstünden in Nordrhein-Westfalen mit etwa 575 Millionen und Bayern mit 531 Millionen Euro.

Der Bund hat den Ländern zugesagt, den Ganztagsausbau mit bis zu 3,5 Milliarden Euro für die Infrastruktur zu unterstützen und sich danach an den laufenden Kosten dauerhaft zu beteiligen. Die Mittel wachsen laut Bundesregierung auf bis zu 1,3 Milliarden Euro pro Jahr ab 2030. Das Projekt Ganztag sei »eine bildungspolitische Herausforderung«, erscheine aber machbar, so Rauschenbach.

him/dpa
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