Gesundheitliche Folgen des Lehrermangels Hilflos, unzufrieden, krank

An deutschen Schulen fehlen Tausende Lehrer. Für die verbleibenden Pädagogen, die den Mangel kompensieren müssen, hat das gravierende gesundheitliche Folgen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage.
Schild am Tor der Nikolaischule in Leipzig anlässlich eines Aktionstages gegen Lehrermangel (Symbolbild)

Schild am Tor der Nikolaischule in Leipzig anlässlich eines Aktionstages gegen Lehrermangel (Symbolbild)

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Hendrik Schmidt/ picture alliance/dpa

Nicht nur Schüler, auch viele Pädagogen leiden unter dem anhaltenden Lehrermangel an deutschen Schulen. Diesen Eindruck vermittelt eine Umfrage des Stark-Verlages, an der knapp 4000 Lehrkräfte aus ganz Deutschland teilgenommen haben. Die Ergebnisse zeichnen ein Bild der Unzufriedenheit, Hilflosigkeit und Überforderung.

Mehr als die Hälfte der befragten Lehrerinnen und Lehrer gab an, dass an ihrer Schule akuter Lehrermangel herrsche. Knapp drei Viertel davon spürten nach eigenen Angaben die Auswirkungen der fehlenden Kollegen im Alltag: Die Stimmung im Kollegium habe sich zum Negativen verändert, die gegenseitige Unterstützung nehme ab. Etwa genauso viele berichteten in der Umfrage von Stundenausfällen und einem steigenden Krankenstand unter den verbleibenden Lehrkräften.

Schlafstörungen, Zukunftsangst, Burn-out

Gut 80 Prozent der Befragten, an deren Schule Lehrkräfte fehlen, klagten über psychische und körperlichen Beschwerden wie Schlafstörungen, Zukunftsängste und Überlastung bis hin zum Burn-out. Einige beschrieben Gefühle der Ohnmacht und Ausweglosigkeit. "Man fühlt sich machtlos in diesem System und das macht extrem wütend und traurig. Denn ausgetragen wird das Ganze auf dem Rücken unserer Kinder", schrieb eine der befragten Lehrerinnen.

Eine weitere Pädagogin resümierte: "Der Lehrerberuf ist eigentlich mein Traumberuf. Allerdings stimmen die Bedingungen nicht mehr." Andere fühlten sich "ausgenutzt" und "im Stich gelassen" – vor allem, weil sie neben ihrem eigenen Unterricht zahlreiche Vertretungsstunden übernehmen müssten, um fehlende Kollegen zu ersetzen.

Außerdem befürchten die Lehrkräfte, der Mangel könnte sich dauerhaft auf den Wissensstand ihrer Schüler auswirken. 50 Prozent der Befragten an Schulen mit akutem Lehrermangel gab an, aktuell weniger Zeit für die Unterrichtsvorbereitung zu haben. Knapp die Hälfte fürchtet, den Lehrplan nicht einhalten zu können. Auch das Zwischenmenschliche bleibe auf der Strecke. In der Umfrage formulierte ein Lehrer: "Die Zeit des 'Kümmerns' um die Schüler schrumpft auf ein Minimum." Problematische Fälle könnten nicht aufgefangen werden.

Grund- und Berufsschullehrer verzweifelt gesucht

Mit wenigen Ausnahmen suchen fast alle Bundesländer händeringend nach Lehrkräften, vor allem an Grund- und Berufsschulen. Auch Sonderpädagogen sind rar. Besonders groß sind die Leerstellen in ländlichen Gebieten in Ostdeutschland, aber auch in urbanen Gegenden in Nordrhein-Westfalen und Berlin.

Quer- und Seiteneinsteiger füllen vielerorts die Lücken. Sie haben in der Regel ein Fachstudium abgeschlossen, sind aber keine vollausgebildeten Pädagogen. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) kündigte jüngst an, Lehrkräfte an Grundschulen sollten künftig eine Stunde mehr pro Woche arbeiten, um die Unterrichtsversorgung im Freistaat sicherzustellen.

Der Stark-Verlag aus Hallbergmoss bei München, der seit Jahrzehnten Lernmittel herstellt, verschickte die Online-Umfrage an Lehrkräfte der eigenen Kundenkartei, weshalb die Erhebung trotz der hohen Zahl von Antworten nicht repräsentativ ist.

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