GEW-Umfrage Lehrer sind unzufrieden mit digitalem Unterricht

Beim digitalen Unterricht stoßen Lehrer in Deutschland auf große Hürden: Laut einer Umfrage mangelt es an nötigen Dienstgeräten - auch bei Fortbildungen sieht es schlecht aus.
"Digitalisierung darf keine Privatsache sein": Schulkinder am Tablet (Archivbild)

"Digitalisierung darf keine Privatsache sein": Schulkinder am Tablet (Archivbild)

Foto: Sebastian Kahnert/ picture alliance / dpa

Lehrerinnen und Lehrer sind nur selten richtig zufrieden, wenn es um die digitale Ausstattung ihrer Schulen geht. Das zeigt eine Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft  (GEW) unter ihren Mitgliedern, die in Frankfurt am Main vorgestellt wurde.

Die Daten wurden bereits vor der Corona-bedingten Schließung der Schulen im März erhoben. Sie geben damit Hinweise auf Ursachen für die Schwierigkeiten mit dem digital gestützten Unterricht auf Distanz, von dem viele Lehrerinnen und Lehrer, aber auch Eltern und Schüler in den vergangenen Wochen berichtet haben.

Grundsätzlich stehen die Lehrerinnen und Lehrer demnach Lernprozessen mit digitaler Unterstützung sehr positiv gegenüber: 93 Prozent gaben an, selbst digitale Medien im Unterricht einzusetzen. 55 Prozent tun das demnach auch mehrmals pro Woche.

Dienstgeräte? Kaum vorhanden

Allerdings nutzen 61 Prozent bei Präsentationen in der Schule private Endgeräte, 90 Prozent erledigen allgemeine dienstliche Aufgaben auf Privatgeräten - ein Hinweis darauf, dass Lehrkräfte in den meisten Fällen keine entsprechenden Laptops, Tablets oder Programme vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt bekommen.

Bei der Unterstützung durch die Schulen oder den jeweiligen Schulträger in Sachen Digitalisierung hielt sich die Begeisterung der Lehrerinnen und Lehrer in deutlichen Grenzen:

  • Nur 29 Prozent der Befragten gaben an, eine ausreichende technische Ausstattung für Präsentationen zur Verfügung zu haben.

  • Lediglich 21 Prozent sind zufrieden mit dem technischen Support.

  • 26 Prozent sehen sich durch den Arbeitgeber beim Thema Datenschutz unterstützt.

  • Und gerade einmal 11 Prozent finden die Informationen durch den Arbeitgeber zum Digitalpakt "sehr gut" oder "gut".

"Digitalisierung darf keine Privatsache sein", kommentiert Ilka Hoffmann, im GEW-Vorstand für die Schulen zuständig, die Ergebnisse der Umfrage. Zwar sei es schon vor der Coronakrise für die Lehrerinnen und Lehrer "ganz normal" gewesen, digitale Kommunikationsmittel in der Schule einzusetzen. Aber, so Hoffmann: "Wir brauchen dringend eine öffentliche Finanzierung von Endgeräten."

Mehr zur Studie

Die Ergebnisse sind für die GEW-Mitglieder repräsentativ, können aber nicht auf die gesamte Lehrerschaft übertragen werden. Erhoben wurden die Daten vom 6. Februar bis zum 2. März 2020, also vor Schließung der Schulen wegen der Coronakrise.

Dass Bund und Länder dafür zusätzliche 500 Millionen Euro für Endgeräte zugesagt haben, könne nur ein Anfang sein. Die GEW kritisierte in diesem Zusammenhang, dass nach den bisherigen Vorgaben nur maximal 20 Prozent der Fördermittel aus dem Digitalpakt Schule für mobile Endgeräte genutzt werden dürfen. "Land und Schulträger müssen jedoch auch die Lehrkräfte mit Endgeräten ausstatten", fordert Ansgar Klinger, GEW-Vorstandsmitglied für berufliche Bildung und Weiterbildung. Die Mittel aus dem Digitalpakt - bisher sind 5,5 Milliarden Euro vorgesehen - müssten auf rund 20 Milliarden Euro erhöht werden.

Neben den Geräten wünschen sich die Lehrkräfte auch mehr und bessere Fortbildungen zum digitalen Unterrichten: Zwar haben 58 Prozent der Befragten in den vergangenen zwei Jahren an entsprechenden Weiterbildungen teilgenommen, aber gerade einmal 18 Prozent fanden die Fortbildungen zum Themenkomplex ausreichend. "Da klafft eine große Lücke zwischen Bedarf und Angebot", so Ilka Hoffmann.

Nachholbedarf sehen die Lehrerinnen und Lehrer auch bei der Grenzziehung zwischen Job und Privatem: 68 Prozent gaben an, die Digitalisierung habe das Verhältnis von Privatleben und Arbeit negativ beeinflusst. Dazu trage vor allem die ständige Erreichbarkeit per Mail bei - obwohl zahlreiche Lehrkräfte noch nicht einmal über eine dienstliche Mailadresse verfügen. Genauere Zahlen über Dienstaccounts wurden in der Umfrage jedoch nicht erhoben.

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